Demokratische Republik Kongo: Ärzte ohne Grenzen verurteilt Gewalt gegen Zivilisten in Nordkivu

Berlin, 2. Oktober 2013. Unmittelbar nach Zusammenstößen bewaffneter Gruppen in der Region Masisi in Nordkivu hat Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken in der Region um die Stadt Masisi eingerichtet, um die Verletzten zu behandeln. Am Freitag war es zu Übergriffen auf die Bewohner der Dörfer Butemure, Lwibo, Bikudje, Majengo und Katiri gekommen. Ärzte ohne Grenzen ruft die Konfliktparteien dazu auf, den Schutz der Zivilbevölkerung gemäß des humanitären Völkerrechts zu respektieren.
 
Der Angriff am vergangenen Freitag hat Berichten zufolge mehrere Dutzend Opfer gefordert, darunter Frauen und Kinder. Viele Menschen wurden verletzt. Die genaue Anzahl der Toten, Verletzten und Verschwundenen ist schwer abzuschätzen, da viele Bewohner der Dörfer aus Angst vor neuen Angriffen geflohen sind. „Ich habe gehört, wie die Nachbarn geschrien haben, dass die Milizen kommen. Ich bin zu meinem Mann auf das Feld gelaufen. Aber als ich dort ankam, war keine Spur von ihm zu sehen. Nur sein Hut und blutverschmiertes Werkzeug“, erzählt eine Dorfbewohnerin. Andere haben Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen erzählt, dass 46 Schüler und drei Lehrer entführt wurden, nachdem ihre Schule in Brand gesteckt worden war. Während der Angriffe wurde eine Brücke zerstört, als Bewohner sie überquerten, um zu fliehen. „Ich habe meinen Sohn von der Brücke stürzen sehen. Bewaffnete Männer haben mit Macheten die letzten Seile durchtrennt, die die Brücke noch hielten. Kurz davor haben sie Männern die Kehle durchgeschnitten und sie ins Wasser geworfen“, erzählte ein Bewohner des Dorfes Lwibo.
 
Am Tag nach dem Angriff hat Ärzte ohne Grenzen in Lwibo über 80 Patienten behandelt und neun Opfer sexueller Gewalt betreut. Ein Team ist auch in den Ort Bikudje gefahren, wo zwei Bewohner verletzt wurden und etwa 30 verschwunden sind. Die Teams sind noch dabei, die Tragweite der Angriffe und die Anzahl der Verletzten in anderen Dörfern abzuschätzen, um darauf entsprechend reagieren zu können. „Mehrere Dörfer sind nur zu Fuß erreichbar, und wir fürchten, zu spät zu kommen. Dennoch scheint bereits jetzt klar zu sein, dass gegen die Zivilbevölkerung Gewalttaten verübt wurden und wir daher nicht schweigen können“, erklärt Bertrand Perrochet, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen. „Die bewaffneten Gruppen in der Region müssen die Zivilbevölkerung gemäß dem internationalen humanitären Völkerrecht respektieren.“
 
Die Region Masisi ist immer wieder Schauplatz von Gewalt, die die Bevölkerung zwingt, aus ihren Dörfern zu fliehen. Im August wurden in Nord Kivu über eine Million Vertriebene registriert. Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Krankenhaus von Masisi seit 2007 und bietet dort kostenlose Gesundheitsversorgung an. Zwischen Januar und August 2013 hat Ärzte ohne Grenzen über 8.800 Patienten stationär behandelt, 1.717 chirurgische Eingriffe und 86.000 Behandlungen durchgeführt.