Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo: Ärzte ohne Grenzen nimmt Aktivitäten in Ituri wieder auf

Berlin / Genf, 5. März 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat ihre medizinischen Nothilfeprogramme in den Vertriebenenlagern der kongolesischen Provinz Ituri wieder aufgenommen. Die Situation in den Lagern Iga-Barrière und Tché ist Ärzte ohne Grenzen zufolge alarmierend. Die Organisation hatte die Aktivitäten am 24. Februar ausgesetzt, nachdem sich die Sicherheitslage massiv verschlechtert hatte.

Bei ihrer Rückkehr in das Flüchtlingslager von Tché stießen die Teams von Ärzte ohne Grenzen auf eine katastrophale Versorgungslage. Mindestens 25 Menschen seien in der vergangenen Woche ums Leben gekommen, weil medizinische Nothilfe ausblieb. "Der Zustand des Lagers ist furchtbar, und mit der Ankunft von weiteren 200 bis 300 Menschen verschärft sich die Lage zusätzlich", sagt Patrick Barbier, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Viele Menschen leiden an Durchfall, und die sanitären Verhältnisse verschlechtern sich zusehends."

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit Juni 2003 in Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Auch in der umkämpften Provinz Nord-Kivu unterstützt die Organisation die Bevölkerung mit medizinischer Hilfe und Ernährungsprogrammen. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1981 in dem Land.

Ein weiteres Team von Ärzte ohne Grenzen hat die Lage in Loga erkundet. In der Stadt rund 30 Kilometer nordöstlich von Bunia war es am 1. März 2005 zu schweren Kämpfen zwischen Milizen und UN-Blauhelmsoldaten gekommen. Die Mitarbeiter fanden in der teilweise zerstörten Kleinstadt keine Verwundete vor. Bewohnern zufolge halten sich aber noch mehrere Verletzte in den Wäldern versteckt, weil sie nach wie vor um ihre Sicherheit fürchten.

Auch im Vertriebenenlager von Kakwa nordöstlich von Bunia am Ufer des Albertsees hat sich die Versorgungslage in den vergangenen Tagen dramatisch verschlechtert. Schwere Durchfallerkrankungen konnten tagelang nicht behandelt werden. Mit zwei bis drei Todesfällen pro Tag unter den rund 5000 Vertriebenen weist das Lager eine immer höhere Sterblichkeitsrate auf. Ärzte ohne Grenzen hat ein Ernährungszentrum errichtet und leistet in einem Gesundheitszentrum in Tchomia am Ufer des Albertsees medizinische Nothilfe.

Vergewaltigungen, darunter auch Gruppenvergewaltigungen durch mehrere Täter, sind in der Region weiterhin an der Tagesordnung. Allein in Tché sind sechs neue Fälle registriert worden. Angesichts der Sicherheitsrisiken hat die Bevölkerung die Rückkehr von Ärzte ohne Grenzen mit Freude und Erleichterung aufgenommen. Mittlerweile suchen im Lager von Tché rund 10.000 Menschen Schutz.