Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo Ärzte ohne Grenzen: Hilfe für Vertriebene in Bunia nicht ausreichend

Bunia/Berlin, 4. Juli 2003. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnt davor, dass die nach Bunia zurückkehrenden Vertriebenen nicht angemessen versorgt werden können. Seit vergangenem Samstag sind Tausende von Menschen in die Stadt im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo zurückgekehrt, wo eine internationale Eingreiftruppe seit dem 6. Juni für Sicherheit sorgen soll.

Derzeit arbeiten zehn internationale sowie 104 nationale Mitarbeiter für Ärzte ohne Grenzen in Bunia.

Zusätzlich zu den Rückkehrern kommen laut Ärzte ohne Grenzen auch viele Menschen nach Bunia, die vor den Kämpfen in den umliegenden Dörfern flüchten. Außerhalb von Bunia, in der unsicheren Region Ituri, haben die Menschen noch immer keinen Zugang zu humanitärer Hilfe. Für die Hilfsorganisationen ist es weiterhin unmöglich, die Bedürfnisse dort zu evaluieren und die Unterstützung auszuweiten. "Bunia wird so zu einem riesigen Flüchtlingslager, das unter Belagerung steht", sagte Nicolas Luis, Projektleiter für Ärzte ohne Grenzen in Bunia.

Ärzte ohne Grenzen hat einen neuen Gesundheitsposten errichtet, in dem die Rückkehrer untersucht werden und erste Hilfe erhalten. Den Mitarbeitern zufolge sind die Menschen sehr erschöpft, und viele von ihnen sind krank. Zudem leiden viele Kinder an Unterernährung, da sie auf der Flucht unter extrem schwierigen Bedingungen im Busch leben mussten.

Seit 15. Mai ist die von Ärzte ohne Grenzen eröffnete Klinik "Bon Marché" mit 70 Betten im Stadtzentrum die einzige medizinische Anlaufstelle in der Region, in der Verletzte chirurgisch versorgt werden können. Die Chirurgin Birgit Neudecker von Ärzte ohne Grenzen führt dort täglich rund zehn Operationen durch. "Die meisten Zivilisten, die wir hier behandeln, kommen mit Verletzungen, die älter als drei Wochen sind. Es ist deshalb sehr schwierig, ihnen zu helfen. Diese Menschen müssen sehr gelitten haben", erklärt sie.

Nur die wenigsten der zurückkehrenden Vertriebenen können ihre Häuser wieder beziehen, die sie im Mai auf der Flucht vor den Kämpfen verlassen haben. Viele Häuser in Bunia sind zerstört oder wurden geplündert. Insbesondere nachts ist die Lage in vielen Teilen der Stadt sehr unsicher. Viele der Rückkehrer ziehen es deshalb vor, im Vertriebenenlager zu bleiben, in dem derzeit 15.000 Menschen untergebracht sind. Dort fehlt es laut Ärzte ohne Grenzen an sauberem Wasser, Unterkünften, Nahrungsmitteln und Latrinen.

Laut Ärzte ohne Grenzen reichen die vor Ort verfügbaren Hilfsgüter und insbesondere die Nahrungsmittel schon jetzt nicht aus, um den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden. Zurzeit kommen täglich 1.300 Rückkehrer nach Bunia. Die Organisation befürchtet, dass damit die medizinischen Einrichtungen innerhalb kürzester Zeit überlastet sein werden. Darüber hinaus stehen nicht genügend Unterkünfte und Sanitäreinrichtungen zur Verfügung.

Weitere Informationen: Pressestelle in Berlin, Kattrin Lempp, Tel.: 030 - 22 33 77 00