Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo: Ärzte ohne Grenzen beklagt mangelnden Schutz für Zivilisten und unzureichende humanitäre Hilfe

Nairobi/Berlin, 25. Juli 2003. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisiert die anhaltende Unsicherheit in der kongolesischen Stadt Bunia und Umgebung sowie die unzureichende humanitäre Hilfe in der Region. In einem neuen Bericht warnt die Organisation davor, dass die Schutztruppen in der Region einen falschen Eindruck von Sicherheit erwecken. Der Bericht wurde am Freitag anlässlich der UN-Sicherheitsratssitzung zum künftigen Mandat der UN-Friedenstruppen im Kongo veröffentlicht.

Ärzte ohne Grenzen zufolge haben die internationalen Truppen die andauernde Gewalt gegenüber der Zivilbevölkerung bisher nicht gestoppt. Ohne den festen politischen Willen, die Zivilbevölkerung effektiv zu schützen, befürchtet die Organisation erneute Massaker. "Es ist unverantwortlich, so zu tun, als wäre Bunia eine Sicherheitszone", sagte Rafa Vila Sanjuan, Generalsekretär von Ärzte ohne Grenzen, nach seiner Rückkehr aus der Region. "Es ist noch nicht lange her, dass Tausende Menschen in Bosnien und Ruanda ermordet wurden, weil sie in einer Sicherheitszone Zuflucht suchten, die keine war", so Vila Sanjuan weiter.

Mehr als 12.000 Menschen sind bereits nach Bunia zurückgekehrt, nachdem sie im Mai vor den Kämpfen geflohen waren. Nur wenige sind allerdings bereit, in ihre Häuser zurückzugehen, weil sie dort um ihr Leben fürchten. Stattdessen suchen sie Zuflucht in einem Vertriebenenlager in der Nähe des Flughafens, das jedoch auch kein sicherer Ort ist. Trotz der Anwesenheit der UN-Truppen sowie der multinationalen Eingreiftruppe kommt es nachts in Bunia noch immer zu Vergewaltigungen, gewaltsamen Übergriffen und Plünderungen.

20 Prozent der Patienten, die seit Ende Mai im Krankenhaus der Organisation behandelt wurden, litten an Kriegsverletzungen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben seitdem 519 chirurgische Eingriffe durchgeführt. Fast ein Viertel der Verletzten waren Kinder unter 15 Jahren, ein Drittel der verletzten Erwachsenen waren Frauen. Die Hälfte aller Patienten von Ärzte ohne Grenzen in Bunia sind Kinder unter fünf Jahren. "Dies ist ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung", sagte Thomas Nierle, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen in Genf.

Darüber hinaus kennt niemand das Ausmaß der Gewalt außerhalb der Stadt, wo sich rund 150.000 Vertriebene aufhalten. Dieses Gebiet ist seit Monaten völlig unzugänglich für humanitäre Organisationen.

Für Interviewanfragen: Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00