Dagestan: Mitarbeiter seit 100 Tagen entführt

Moskau/Berlin, 20. November 2002. Vor 100 Tagen wurde der Landeskoordinator der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen von unbekannten Bewaffneten in der dagestanischen Hauptstadt Makhachkala entführt. Trotz der Bemühungen russischer Behörden, die Freilassung von Arjan Erkel zu erreichen, ist der Holländer bis heute vermisst.

Am 100. Tag der Entführung von Arjan Erkel fordert Ärzte ohne Grenzen die Entführer von Erkel und Davydovich erneut auf, die beiden unverzüglich und unversehrt freizulassen.

Nach den Entführungen im vergangenen Sommer wurden alle Projekte von Ärzte ohne Grenzen im Nordkaukasus eingestellt. Bislang wurden nur die Aktivitäten in Inguschetien wieder aufgenommen, in Dagestan und Tschetschenien bleiben sie ausgesetzt. Die Büros von Ärzte ohne Grenzen in Makhachkala, Chasawjurt und Grosny sind jedoch weiterhin geöffnet, um die Lage zu beobachten und in akuten Notfällen tätig werden zu können. Dies beinhaltet vor allem die Kooperation mit chirurgischen und gynäkologischen Einrichtungen in Tschetschenien.

Die in der vergangenen Woche entführten nationale Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz wurden letzten Sonntag freigelassen. Morten Rostrup, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen, begrüßte die schnelle Freilassung: "Dies ist ein positives Beispiel dafür, wie hilfreich politischer Druck sein kann. Deshalb fordern wir die russischen Behörden dringend auf, ihre Anstrengungen zu verstärken, um die Freilassung von Arjan Erkel möglichst schnell und sicher zu erreichen."

Die Organisation hat den für den Nordkaukasus zuständigen Geberländern ihre Besorgnis um Erkels Schicksal mitgeteilt. Auch von Nina Davydovich fehlt bisher jede Spur. Die Leiterin der russischen Nichtregierungsorganisation Druzhba wurde am 27. Juli 2002 entführt. Ärzte ohne Grenzen hat an die Geberländer appelliert, das Schicksal der vermissten Helfer nicht zu vergessen, wenn sie humanitäre Hilfe für die Region planen.

Obwohl Erkel bereits am 12. August 2002 entführt wurde, gibt es keine Informationen darüber, wo er sich befindet. Unklar ist auch, wer die Täter und was die Motive für die Entführung sind. Bemühungen der russischen Behörden, den Fall aufzuklären, blieben bislang ohne Ergebnis. Ärzte ohne Grenzen ist über das Schicksal Arjan Erkels zutiefst besorgt.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030/22 33 77 00