Dagestan: Humanitärer Helfer seit sechs Monaten entführt Ärzte ohne Grenzen fordert Regierungen Russlands und Dagestans auf, sich verstärkt für die Freilassung einzusetzen

Moskau/Berlin, 12. Februar 2003. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen vermutet, dass die Entführung ihres Mitarbeiters Arjan Erkel eine politische Dimension haben könnte. Dies gab Morten Rostrup, Präsident des internationalen Rates von Ärzte ohne Grenzen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Moskau bekannt. Die Vermutung basiert laut Rostrup auf der Tatsache, dass auch sechs Monate nach der Entführung noch immer kein Kontakt zu den Entführern besteht und der Fall weiterhin ungelöst ist.

Trotz der Bemühungen russischer und dagestanischer Behörden, während der vergangenen sechs Monate den Fall zu klären, bleibt Arjan Erkel vermisst. Bis heute hat Ärzte ohne Grenzen nicht einmal ein Lebenszeichen von ihm.

Arjan Erkel wurde am 12. August 2002 von drei unbekannten bewaffneten Männern in der dagestanischen Hauptstadt Makhachkala entführt. Er war als Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen in Dagestan, einer Republik der Russischen Föderation, tätig.

Die Ermittlungen, die unter der Federführung der Bundesbehörden in Dagestan laufen, sind bisher ergebnislos geblieben. Weder der Generalstaatsanwalt der Russischen Föderation noch der Generalstaatsanwalt der Republik Dagestan noch die entsprechenden Sicherheitsdienste haben Ärzte ohne Grenzen Informationen darüber geliefert, wer die Täter und was ihre Motive sind.

"Es ist unbedingt erforderlich, dass die Regierungen Russlands und Dagestans die Verantwortung übernehmen, um den Fall zu lösen. Der Entführung gebührt höchste Priorität. Die russischen Behörden haben in der jüngsten Vergangenheit bewiesen, dass sie derartige Fälle lösen können", sagte Rostrup.

Daher startet Ärzte ohne Grenzen eine weltweite Online-Unterschriftenkampagne, die sich an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Staatsratsvorsitzenden der Republik Dagestan, Magomedali Magomedov, richtet. Die beiden Regierungschefs werden aufgefordert, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Freilassung Arjan Erkels zu erreichen. Zudem ruft Ärzte ohne Grenzen Putin und Magomedov auf, den Fall nicht als bloßen Kriminalfall einzustufen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00