In Dagestan entführter Mitarbeiter weiterhin vermisst - Projekte in Inguschetien wieder aufgenommen

Genf/Berlin, 10. September 2002. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat erneut die unverzügliche und bedingungslose Freilassung ihres am 12. August in Dagestan entführten Mitarbeiters gefordert. Der 32-jährige Holländer Arjan Erkel, Landeskoordinator in Dagestan, wird nach seiner Entführung durch drei Bewaffnete weiterhin vermisst. Ärzte ohne Grenzen hat aufs Neue die Entführung humanitärer Mitarbeiter im nördlichen Kaukasus verurteilt. Die Organisation hat dennoch beschlossen, ihre Aktivitäten in Inguschetien wieder aufzunehmen. In der Nachbarrepublik von Dagestan sind Tausende von Menschen auf Hilfe angewiesen. Die Projekte waren fast einen Monat ausgesetzt worden.

Die Aktivitäten in Dagestan und Tschetschenien bleiben ausgesetzt. In Tschetschenien wird Ärzte ohne Grenzen allerdings weiterhin im Fall von akuten Notfällen tätig werden. Dies beinhaltet vor allem die Kooperation mit chirurgischen und gynäkologischen Einrichtungen. Die Büros der Organisation bleiben daher in Makhachkala, Chasawjurt und Grosny geöffnet, um die Lage beobachten zu können. Ärzte ohne Grenzen wird sich zudem weiterhin aktiv um die unverzügliche und bedingungslose Freilassung von Arjan Erkel bemühen.

In Tschetschenien wurden am 29. Juli 2002 alle Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen gestoppt, nachdem Nina Davydovich, Vorsitzende der russischen Nichtregierungsorganisation Druzhba, entführt worden war. Alle anderen Projekte im Nordkaukasus wurden nach der Entführung von Arjan Erkel eingestellt.

Ärzte ohne Grenzen verteilt wichtige Medikamente und medizinisches Material an über 30 Krankenhäuser und kleinere Kliniken in Inguschetien. In Gesundheitszentren und mobilen Kliniken haben tschetschenische Vertriebene und die lokale Bevölkerung Zugang zu allgemeinen, gynäkologischen und vorgeburtlichen Behandlungen. Außerdem führt Ärzte ohne Grenzen kinderärztliche Untersuchungen durch, betreut Wasser- und Sanitärprojekte für Vertriebene, verteilt dringend benötigte Hilfsgüter und stellt Zelte bereit.

Die Aktivitäten wurden am Dienstag wieder aufgenommen, um den humanitären und medizinischen Bedarf der tschetschenischen Vertriebenen und der einheimischen Bevölkerung in Inguschetien zu decken.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00