Angola

Cholera in Angola: Ärzte ohne Grenzen fordert Regierung zum Handeln auf

Luanda/Berlin, 13. April 2006. Die Choleraepidemie in Angolas Hauptstadt Luanda breitet sich rasch aus und greift auf andere Landesteile über. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert deshalb die angolanische Regierung auf, umgehend Maßnahmen zu ergreifen. Seit Beginn des Choleraausbruchs Mitte Februar wurden 8.930 Fälle offiziell bestätigt. Mehr als 400 Menschen starben bereits an der schweren Durchfallerkrankung. Täglich kommen rund 500 neue Patienten in die Cholerabehandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen.

"Wir befürchten, dass die Epidemie außer Kontrolle geraten ist", sagt Landeskoordinator Richard Veerman. "Die Regierung sollte den Choleraausbruch offiziell zum Notfall erklären und unverzüglich um internationale Hilfe bitten." Die angolanischen Behörden müssten die Lieferung medizinischer Materialien drastisch erhöhen und deutlich mehr Gesundheitspersonal im Kampf gegen die Cholera einsetzen. Außerdem sollte in den betroffenen Gebieten und deren Umgebung die Versorgung mit sauberem Trinkwasser gewährleistet und die Menschen über die Ansteckungswege aufgeklärt werden - letzteres auch in Provinzen, die bisher nicht von der Epidemie betroffen sind. Die Behörden müssten zudem eine schnellere Zollabfertigung der benötigten Hilfslieferungen gewährleisten.

Seit Beginn der Epidemie hat Ärzte ohne Grenzen in seinen fünf Cholera-behandlungszentren in Luanda fast 5.000 Menschen behandelt. Zur Zeit baut die Organisation ihr Choleraprogramm aus. In der Provinz Bengo wurde ein weiteres Cholerabehandlungszentrum eröffnet. Zusätzliches medizinisches Personal und Material ist außerdem auf dem Weg in die Provinzen Benguela, Cuanza Norte und Malanga.

"Bis jetzt konnten wir alle mit Cholera infizierten Patienten behandeln, die in unsere Zentren kamen", sagt Notfallkoordinator Luis Encinas. "Der gegenwärtige Trend deutet jedoch darauf hin, dass die Zahl der Neuerkrankungen in den kommenden Tagen und Wochen noch ansteigen wird. Unsere Behandlungszentren sind jedoch bereits voll ausgelastet. Ohne die Hilfe anderer Akteure, angefangen bei den angolanischen Behörden, werden wir wahrscheinlich noch viele Menschen erkranken und sterben sehen."

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00