Uganda

Chirurgisches Projekt für Opfer von Verstümmelungen im Norden Ugandas gestartet - Ärzte ohne Grenzen und Interplast Holland arbeiten zusammen

Kampala/Berlin, 12. Dezember 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat zusammen mit Interplast Holland ein chirurgisches Hilfsprojekt im Norden Ugandas ins Leben gerufen. Das Projekt richtet sich an Menschen, die während des jahrelangen Konflikts starke Verstümmelungen und Entstellungen davongetragen haben, beispielsweise an den Lippen, den Ohren, der Nase oder den Fingern. In der kommenden Woche sollen die ersten zwölf Patienten operiert werden. Einige dieser Patienten leiden an den Auswirkungen mehrerer Verstümmelungen.

"Es gibt kein größeres Vergehen an unserem Gefühl für Menschlichkeit als den Betroffenen gegenüberzustehen, die so gezielt und barbarisch entstellt wurden", sagt Christine Schmitz, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Uganda. "Als wir zum ersten Mal mit Opfern von Verstümmelungen konfrontiert wurden, war sehr schnell klar, dass wir ihnen mit chirurgischen Mitteln helfen können, wieder ein Stück Lebensqualität zu gewinnen. Zusätzlich zur chirurgischen Hilfe wird Ärzte ohne Grenzen auch psychologische Unterstützung für diese Menschen leisten, die solch entsetzliche Erfahrungen gemacht haben", sagt Schmitz.

"Die ersten Patienten, die wir ausgewählt haben, können mit ihrer Entstellung kein normales Leben mehr führen", sagt der Chirurg Rein Zeeman von Interplast Holland. "Für einen Menschen ohne Lippen ist es nahezu unmöglich, zu essen oder zu trinken. Wir wollen diesen Patienten so schnell wie möglich helfen."

Da die meisten der Patienten mehrere Operationen benötigen, werden die beiden Hilfsorganisationen alle drei bis sechs Monate Operationstermine anbieten. Dabei werden jeweils auch neue Patienten mit einbezogen. Für die Operationen wird ein Krankenhaus in der Stadt Kitgum im Norden Ugandas genutzt. Zum Team gehören neben Rein Zeeman auch Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und lokales Gesundheitspersonal.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1982 in Uganda tätig. Derzeit sind 67 internationale und 900 nationale Mitarbeiter in sechs Distrikten im Einsatz. Die Aktivitäten umfassen Nothilfe in 20 Vertriebenenlagern in Norduganda, Malariaprogramme sowie Projekte zur Behandlung von HIV/Aids und Kala Azar. In Gulu, Kitgum, Lira und Pader im Norden des Landes arbeitet derzeit weniger Personal als üblich, da die Lage sowohl für die Zivilbevölkerung als auch für die Helfer aufgrund von gewalttätigen Übergriffen sehr unsicher ist.

Interplast Holland hilft Kindern und Erwachsenen in ärmeren Ländern mit chirurgischen Projekten, in denen verstümmelte Gliedmaßen "wiederhergestellt" werden.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, Svenja Kuehnel, Tel.: 030-22 33 77 00 und
www.interplastholland.nl