Ceuta (Nordafrika): Spanien muss mehr Verantwortung bei der Aufnahme von Migranten aus afrikanischen Ländern übernehmen

Ceuta/Berlin, 14. November 2003. Bei starkem Regen und Kälte müssen derzeit Hunderte Asylsuchende in der spanischen Enklave Ceuta ohne adäquate Verpflegung oder medizinische Hilfe unter freiem Himmel leben. Ärzte ohne Grenzen betreut dort bereits rund 500 Migranten und fordert die spanische Regierung auf, ihrer Verantwortung für diese Menschen nachzukommen.

Die Lage für die Migranten in Ceuta verschlechtert sich weiter, seit die spanischen Behörden am 21. September ein von Ärzte ohne Grenzen aufgebautes Flüchtlingslager geräumt haben. Hier hatte die Organisation Menschen medizinisch betreut, die im völlig überfüllten Übergangszentrum für Migranten (CETI) nicht mehr versorgt werden konnten. "Das CETI ist nach wie vor überfüllt, und auf jeden frei werdenden Platz warten drei neue Personen. Wir betreuen jetzt Hunderte von Menschen, die versuchen, am Strand und in den Bergen zu überleben", erklärt der Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen, Carlos Ugarte.

Angesichts dieser Lage hat der Vikar der Diözese Cádiz und Ceuta eine alte Schule provisorisch zu einer Unterkunft umfunktioniert, um wenigstens einem Teil der Migranten aus Subsahara-Afrika eine Unterkunft anbieten zu können. Die Schule verfügt allerdings nur über eine einzige Dusche und vier Toiletten für die 260 Menschen, die sich jede Nacht in der Schule einfinden. Weitere 23 Frauen werden vorübergehend von einer anderen religiösen Organisation aufgenommen.

"Die spanische Regierung hält die Migranten hier in Ceuta fest, bis über ihren Asylantrag entschieden ist. Gleichzeitig sind diese Menschen darauf angewiesen, dass Wohltätigkeitsorganisationen sich um sie kümmern, weil sie kein Dach über dem Kopf haben, schlecht ernährt und medizinisch unterversorgt sind", betont Carlos Ugarte. Dabei liegt es ausschließlich im Zuständigkeitsbereich der staatlichen Behörden, eine menschenwürdige Aufnahme zu gewährleisten. Spanien hat die Genfer Konvention zum Schutz der Rechte von Flüchtlingen unterzeichnet. Erst kürzlich hat der spanische Innenminister erklärt, dass die Regierung neu ankommenden Migranten bestmögliche humanitäre Hilfe zukommen lassen wolle. "Ich lade den Innenminister ein, Ärzte ohne Grenzen in Ceuta zu besuchen, denn bisher sieht die Realität anders aus", so Ugarte.

Ärzte ohne Grenzen hat wiederholt erklärt, dass die Organisation den Migranten in Ceuta beistehen wird, bis menschenwürdige Aufnahmebedingungen gegeben sind und ihre Grundrechte respektiert werden. Die Mitarbeiter mussten aufgrund des schlechter werdenden Wetters einen Besorgnis erregenden Anstieg an Atemwegserkrankungen unter den Migranten feststellen. Außerdem gibt es aufgrund der mangelhaften Ernährung und Hygiene zahlreiche Menschen, die an Magen-Darm-, und Hauterkrankungen sowie an chronischen Krankheiten leiden, die von den staatlichen Gesundheitseinrichtungen nicht behandelt werden.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00