Cancún: WTO-Verhandlungen gescheitert - Ärzte ohne Grenzen begrüßt deutliches Signal der Entwicklungsländer

Cancún/Berlin, 15. September 2003. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bedauert das Scheitern der WTO-Ministerkonferenz in Cancún. Gleichzeítig begrüßt sie jedoch die Entscheidung der Entwicklungsländer, ihre Interessen nicht aufzugeben. Die Organisation wertet dies als deutliches Zeichen an die Industrieländer, die Bedürfnisse der ärmeren Länder in Zukunft stärker berücksichtigen zu müssen.

Zudem weist Ärzte ohne Grenzen Äußerungen der Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Renate Künast, aufs Schärfste zurück, die Freude über die Entscheidung der Entwicklungsländer werde auf dem Rücken der Armen ausgetragen. "Die Entwicklungsländer haben vielmehr deutlich gezeigt, dass sie nicht bereit sind, ihre Interessen zugunsten der reichen Länder aufzugeben", sagte Tobias Luppe.

Bereits im Vorfeld der WTO-Konferenz in Cancún war ein Kompromiss zum Zugang zu kostengünstigen Medikamenten in ärmeren Ländern verabschiedet worden, der laut Ärzte ohne Grenzen vor allem den Interessen der Industrieländer gerecht wird. Für die betroffenen ärmeren Länder ist die Regelung aufgrund komplexer, bürokratischer Hürden in der Praxis nicht umsetzbar. "Deshalb ist es verständlich, dass die Entwicklungsländer die Verhandlungen abgebrochen haben, als deutlich wurde, dass ihre Interessen auch in anderen Bereichen keine Berücksichtigung finden", sagte Tobias Luppe von Ärzte ohne Grenzen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00