Burundi

Burundi: Tausende von Flüchtlinge leben in menschenunwürdigen Umständen

Berlin/Bujumbura, 1. Juni 2005. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisiert die inakzeptablen Zustände, in denen ruandische Flüchtlinge in einem Lager in Burundi leben müssen. Das Camp Songore in der nördlichen Provinz Ngozi liegt nur 20 Kilometer von der ruandischen Grenze entfernt und verfügt weder über die Kapazität noch über die nötigen Einrichtungen, um Flüchtlinge unterzubringen.

Die Flüchtlinge sind vergangenes Wochenende in Songore eingetroffen, nachdem sie gezwungen worden waren, andere Zufluchtsorte zu verlassen. Das Lager in Songore hat eine Kapazität für 800 Menschen, beherbergt aber im Moment 6.700 Flüchtlinge. Darüber hinaus sollen sich noch mehr Flüchtlinge auf dem Weg dorthin befinden. Es fehlt an Wasser, Nahrungsmitteln und Unterkünften, was den Gesundheitszustand der Flüchtlinge weiter schwächt und das Risiko für Epidemien erhöht.

Die Flüchtlinge leben in Unsicherheit über ihr Schicksal, befinden sich in einem unzulänglichen Lager und erhalten nur beschränkt humanitäre Hilfe. Der Zugang für Helfer zum Camp in Songore wird immer nur dann gewährt, wenn die Regierung ihre Kampagne für die Rückkehr der Flüchtlinge nach Ruanda aussetzt.

Ein Flüchtling in Songore berichtete Ärzte ohne Grenzen, wie das Lager in Mihigo, wo er sich drei Tage zuvor aufgehalten hatte, zerstört wurde. "Die Flüchtlinge, die sich gegen die Zerstörung des Lagers wehrten, wurden auf Lastwagen verfrachtet und sofort nach Ruanda gebracht. Einige sind bereits wieder nach Burundi zurückgekehrt und befinden sich jetzt im Lager in Songore."

Mit jedem Tag verschlimmern sich die Umstände für die Menschen, die seit dem April bereits verschiedene Male zwangsumgesiedelt worden waren, nachdem sie aus Ruanda ins benachbarte Burundi geflohen waren. Teams von Ärzte ohne Grenzen sind alarmiert: "Die Flüchtlinge sind alle stark verunsichert und berichten von Druck und gewalttätigen Übergriffen, um sie nach Ruanda zurückzutreiben", sagt Sonia Peyrassol, Programmkoordinatorin für die Region der Großen Seen in Afrika. "Und sie sagen alle ganz klar, dass sie im Moment nicht nach Ruanda zurückkehren wollen."

Zehn Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen unterstützen die Flüchtlinge mit mobilen Kliniken und werden ein Gesundheitszentrum eröffnen.

Weitere Informationen: Pressestelle, Christiane Löll, 030 / 22 33 77 00