Burkina Faso

Burkina Faso: Unzureichende Hilfe für 46.000 Flüchtlinge aus Mali

Ouagadougou/Berlin, 24. April 2012. Seit Mitte Januar sind 46.000 Menschen aus Mali nach Burkina Faso geflüchtet. Allein in der Provinz Oudalan, einem Wüstengebiet im Norden des Landes, in dem die Hilfe sehr begrenzt ist, leben 35.000 Flüchtlinge. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten medizinische Hilfe in den Flüchtlingslagern, in denen der Bedarf größer ist als die vorhandenen Hilfsmittel. Nach Mauretanien ist Burkina Faso das Land, in dem die meisten malischen Flüchtlinge ankommen. Die Gefechte zwischen den Tuareg-Rebellen und der malischen Armee im Norden Malis zwangen fast 268.000 Menschen zur Flucht innerhalb des Landes und in die Nachbarländer. Während täglich neue Flüchtlinge in Burkina Faso eintreffen, bleibt es schwierig, Hilfe zu leisten.

Die Flüchtlinge sind auf vier Lager verteilt, die sich im Norden der Gemeinde Déou, in der Provinz Oudalan befinden. Die Situation der Menschen ist seit einigen Wochen besonders prekär. Eine behelfsmäßige Unterkunft und ein paar Pfund Nahrungsmittel sind alles, was sie haben. Für ein paar Liter Wasser müssen sie lange in der brütenden Hitze warten. „Wir mussten alles zurücklassen, als wir aus unserem Land geflüchtet sind. Ich bin mit meinen Kindern hier. Wir haben nichts. Hier leben wir unter freiem Himmel ", sagt Fatima, die Unterschlupf im Flüchtlingslager Ferrerio gefunden hat.

Das Hochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) plant, sie auf ein anderes Grundstück umzusiedeln, das ist aber ungeeignet, da es dort weder Wasserstellen noch Schatten gibt. Außerdem ist die Nahrungsmittelhilfe auch drei Monate nach Beginn der Konflikte und trotz des massiven Zustroms von Flüchtlingen noch immer sehr begrenzt. „Es dauerte viel zu lange, bis das UNO-Welternährungsprogramm (WFP) etwas unternahm und die geleistete Hilfe ist zudem weder ausreichend noch an die speziellen Bedürfnisse der Flüchtlinge angepasst“, sagt Jean Hereu, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Burkina Faso.

Anfang Februar wurde das in der Provinz Soum gelegene Lager Mentao zum ersten offiziellen Lager erklärt. Nachdem Ärzte ohne Grenzen dort Nahrungsmittel und Wasser verteilt hatte, begann die Organisation Anfang März zudem in der Provinz Oudalan Hilfe zu leisten. Die Teams unterstützen einen Gesundheitsposten in Gandafaou und arbeiten im Lager Ferrerio mit mobilen Kliniken. Innerhalb von vier Wochen haben die Teams insgesamt mehr als 1.600 medizinische Konsultationen durchgeführt, die meisten im Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen, Hautkrankheiten und Magenbeschwerden – alles Krankheiten, die bei mangelnder Hygiene und fehlendem Zugang zu Wasser häufig auftreten.

Ärzte ohne Grenzen stellt sicher, dass sowohl die Flüchtlinge als auch die lokale Bevölkerung kostenlose medizinische Versorgung erhalten. Sie alle leiden unter der Trockenheit in der ganzen Region. „Die Gastfreundschaft der Bevölkerung wird auf eine harte Probe gestellt. Das Gebiet, in dem sich die Flüchtlinge niedergelassen haben, ist in diesem Jahr besonders schwer von ausbleibendem Niederschlag betroffen, was sich auf die Getreideernte und damit direkt auf die Ernährungssicherheit der Menschen auswirkt“, erklärt Jean Hereu. Die Organisation plant, auch in den Lagern Dibissi und Ngatourou-niénié Hilfe zu leisten.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt zudem malische Flüchtlinge in Mauretanien und im Niger. Im Norden Malis (Timbuktu, Gao, Kidal und Mopti) gewährleisten die Teams die medizinische Grundversorgung für die Vertriebenen.