Simbabwe

Blinde Flecken in der Berichterstattung - Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht Liste der vergessenen Krisen 2013

Berlin, 19. Dezember 2013. Das Leid von Millionen Menschen in Konflikt- und Krisengebieten bleibt für die deutsche Öffentlichkeit weitestgehend unsichtbar. Über Krisen wie die im Tschad, in Swasiland oder dem Südsudan wurde im Jahr 2013 in den deutschen Medien kaum berichtet. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen veröffentlichte heute eine Liste der vergessenen Krisen 2013. Auf dieser Liste stehen auch Simbabwe und die Zentralafrikanische Republik.

„Zweifellos arbeiten viele Journalisten hart daran, auch über die Geschehnisse in Krisenregionen weltweit zu berichten”, sagt Frank Dörner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Doch Millionen Menschen, die durch Krieg und Gewalt vertrieben wurden, die ohne die einfachste medizinische Versorgung überleben müssen oder die keinen Zugang zu einer lebensverlängernden HIV-Behandlung haben, erhalten nicht die Beachtung, die sie verdienen.“

Über die Menschen im Königreich Swasiland berichteten die exemplarisch untersuchten Medien von Januar bis Ende Oktober 2013 insgesamt nur achtmal. Dabei steckt das kleine Land mit 1,4 Millionen Einwohnern mitten in einer großen medizinischen Krise: Jeder vierte Erwachsene ist mit dem HI-Virus infiziert, das entspricht einem der höchsten Werte weltweit. Und nirgendwo auf der Welt gibt es prozentual mehr Menschen, die an Tuberkulose erkranken, immer häufiger auch an resistenten Formen. Gewalt und Vertreibung im Osten des Südsudans und die seit mehr als einem Jahr anhaltende Flüchtlingskatastrophe im Norden des Landes wurden in zehn Monaten nicht mehr als 33 Mal aufgegriffen. Das unsägliche Leid, in dem sich die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik seit dem Umsturz im März dieses Jahres befinden, wurde nur 25 Mal erwähnt.

Ärzte ohne Grenzen versucht mit der heute veröffentlichten Liste, auf das Ausmaß und die Schwere von Krisen und Konflikten hinzuweisen, die nicht in den Medien widergespiegelt werden. Für die Liste ließ die Organisation Berichte in fünf wichtigen überregionalen Medien untersuchen, die von Anfang Januar bis Ende Oktober 2013 erschienen. In dem Medienset waren drei große Tageszeitungen, ein Nachrichtenmagazin und ein Online-Medium. Die Auswertung übernahm die Medienbeobachtungsagentur „Ausschnitt“.

Interviews mit Projektmitarbeitern, Programmverantwortlichen und Frank Dörner sind möglich.

Fotos zu den vergessenen Krisen

Detaillierte Liste der Länder