Bangladesch

Bangladesch schikaniert Flüchtlinge, um ihre Rückkehr nach Myanmar zu erzwingen

Dhaka/Berlin, 17. September 2003. Mit Schikanen und Einschüchterungen versucht die Regierung von Bangladesch, Tausende von Rohingya-Flüchtlinge zur Rückkehr nach Myanmar (Birma) zu zwingen. Die Menschen fürchten sich vor der Rückkehr, haben aber keine Wahl. Ärzte ohne Grenzen fordert die Regierung und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) auf, die Grundrechte der Flüchtlinge zu respektieren und ihnen das Recht auf freie Entscheidung über die Rückkehr zu garantieren.

Ärzte ohne Grenzen hat elf Jahre lang Basisgesundheits- und Ernährungsprogramme in den Lagern nahe Cox Bazar durchgeführt. Nachdem das Gesundheitsministerium von Bangladesch und der UNHCR kürzlich in beiden Lagern die medizinische Versorgung übernommen haben, zieht sich die Organisation nun zurück. Ärzte ohne Grenzen fordert die Regierung und das UNHCR auf, unbedingt ihre Verantwortung für den Schutz der Flüchtlinge und die angemessene Gesundheitsversorgung zu garantieren. Jüngste Bemühungen des UNHCR, die Flüchtlinge in den Lagern besser zu schützen, kommen für viele zu spät.

Diskriminierung, Gewalt und Zwangsarbeit haben in den Jahren 1991-1992 eine Massenflucht von mehr als 250.000 muslimischen Rohingya aus Myanmar ausgelöst. Seit 1992 sind etwa 230.000 Flüchtlinge dorthin zurückgekehrt. Heute leben noch rund 19.000 Rohingya in den beiden Lagern in Bangladesch. Das Rückführungsprogramm steht unter Aufsicht des UNHCR, doch sind immer wieder Zweifel an der Freiwilligkeit der Rückkehr laut geworden.

Einigen Berichten zufolge sind Flüchtlinge, die nach Myanmar zurückgekehrt sind, bereits erneut nach Bangladesch geflohen und suchen nunmehr Zuflucht außerhalb der Lager. In ihrer Heimat fürchten sie die anhaltenden Diskriminierungsversuche der Behörden. In Myanmar werden sie nicht als Bürger anerkannt, haben Nahrungsmittelprobleme, müssen willkürliche Steuern zahlen, werden erpresst und dürfen sich nicht frei bewegen.

Trotz erbärmlicher Lebensbedingungen wollen die Flüchtlinge nicht nach Myanmar zurückkehren. In den beiden Lagern nahe Cox Bazar, im Südosten Bangladeschs, leben sie auf viel zu engem Raum, es mangelt an Trinkwasser und Lebensmitteln. Sie dürfen weder Nahrungsmittel anbauen noch außerhalb des Lagers arbeiten. 58 Prozent der Kinder waren im letzten Jahr chronisch mangelernährt. Mehr als 550 Beschwerden über Einschüchterungsversuche bis hin zur offenen Gewaltandrohung wurden in den vergangenen Monaten an Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen übergeben.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 24