Bangladesch

Bangladesch: Ärzte ohne Grenzen fordert mehr Hilfe und Schutz für Rohingya-Flüchtlinge

Berlin/Dhaka, 2. April 2002. Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen ruft das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sowie die Regierung von Bangladesch auf, für bessere Lebensbedingungen und mehr Schutz für die birmesischen Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch zu sorgen. Zehn Jahre, nachdem die Rohingyas, Angehörige einer islamischen Minderheit, aus Myanmar (Birma) nach Bangladesch geflohen sind, leben sie dort noch immer unter inakzeptablen Bedingungen in Flüchtlingslagern.

Während der UNHCR vorgibt, die Lage in Myanmar sei stabil, und weiterhin die Rückführung der Flüchtlinge befürwortet, machen Menschenrechtsberichte und Aussagen von Augenzeugen deutlich, dass dies nicht der Fall ist. Gleichzeitig lehnt die Regierung von Bangladesch eine Integration der Rohingyas ab, und auch die internationale Gemeinschaft ist bislang nicht gewillt, die Flüchtlinge in anderen Ländern aufzunehmen. Nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen muss jedoch eine langfristige Lösung für diejenigen gefunden werden, die nicht bereit sind, in ihr Heimatland zurückzukehren. Dabei muss das Recht der Flüchtlinge respektiert werden, selbst zu entscheiden, ob die Lage in Myanmar als sicher bezeichnet werden kann.

Zudem ist die Sicherheit der Flüchtlinge in den Lagern laut Ärzte ohne Grenzen häufig bedroht. Die Zahl der Zwangsrückführungen nimmt zwar ab, doch Gewalt und Einschüchterungsversuche seitens der Lagerbehörden sind noch immer an der Tagesordnung. Mehr und mehr Flüchtlinge werden festgenommen, wenn sie gegen ihre Situation protestieren. Außerdem sehen sich die Rohingyas einem wachsenden Druck ausgesetzt, nach Myanmar zurückzukehren, wo die Situation noch immer unsicher ist.

Mehr als 21.000 Rohingyas sind derzeit noch immer in zwei Flüchtlingslagern südlich der Stadt Cox's Bazar im Süden Bangladeschs untergebracht. Dort leben sie nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen in überfüllten Unterkünften ohne ausreichende Wasserversorgung. Sie dürfen die Lager nicht verlassen, um außerhalb Arbeit zu suchen oder Getreide und Gemüse anzubauen. Doch die Nahrungsmittel, die sie in den Lagern erhalten, reichen laut Ärzte ohne Grenzen für eine angemessene Versorgung nicht aus. Die Mitarbeiter der Organisation haben bei 58 Prozent der Flüchtlingskinder chronische Unterernährung festgestellt.

Rund 250.000 Rohingyas waren zwischen 1991 und 1992 vor Zwangsarbeit, Gewalt und Verfolgung seitens der birmesischen Behörden nach Bangladesch geflüchtet. Seitdem wurden etwa 230.000 von ihnen in ihr Heimatland zurückgeschickt. Dabei war es häufig fraglich, ob die Rückführung - unter der Koordination des UNHCR - tatsächlich freiwillig und im Einverständnis mit den Betroffenen erfolgte.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle,
Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00