Guinea

Ausschreitungen in Guinea - Ausgangssperre und Flughafenschließung erschweren Nothilfe

Berlin/Conakry, 13. Februar 2007. Seit Beginn der Ausschreitungen in Guinea am vergangenen Samstag hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 80 Menschen behandelt, die bei den Unruhen verletzt wurden. Die internationale Organisation leistet medizinische Nothilfe in der Hauptstadt Conakry und in Gueckedou. Ihre Arbeit wird jedoch durch die Ausgangssperre und die Schließung der Flughafens von Conakry erschwert. Seit dem Wochenende ist es durch diese nahezu unmöglich, Personal und Materialien nach Guinea zu bringen.

Im Matam-Gesundheitszentrum in der Hauptstadt hat Ärzte ohne Grenzen für die Notaufnahme zwei zusätzliche Zelte zur Verfügung gestellt, um mehr Verletzte behandeln zu können. Außerdem unterstützen fünf medizinische Mitarbeiter der Organisation das Team des Gesundheitszentrums. In Matam werden derzeit Menschen mit relativ leichten Verletzungen behandelt. Schwer Verletzte werden an das Donka-Krankenhaus überwiesen, in dem auch komplexere chirurgische Eingriffe möglich sind.

"Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 47 Verwundete mit Schussverletzungen in das Matam-Gesundheitszentrum eingeliefert", sagt Sergion Martin, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Guinea. Die meisten wurden durch Irrläufer verwundet. Sorge bereitet den Helfern auch das kürzlich ausgerufene Kriegsrecht, mit dem unter anderem eine Ausgangssperre verhängt wurde. Ausgenommen davon ist nur die Zeit zwischen 16.00 und 20.00 Uhr. "Wie sollen wir Patienten, die besondere Behandlungen benötigen, in andere Gesundheitseinrichtungen transportieren, wenn wir uns nicht bewegen dürfen? Wir versuchen, eine Sondergenehmigung zu erhalten. Bisher jedoch ohne Erfolg", so Martin.

In der Stadt Gueckedou nahe der liberianischen Grenze wurden nach gewaltsamen Ausschreitungen am Montagnachmittag sieben Verletzte in das von Ärzte ohne Grenzen unterstützte lokale Krankenhaus eingeliefert. "Wir machen uns Sorgen um die 1.200 regulären Patienten in unserem HIV/Aids-Projekt in Gueckedou", so Martin. "Sie kommen regelmäßig zu unseren Gesundheitszentren, wo sie medizinisch betreut werden und kostenlos antiretrovirale Medikamente erhalten. Durch die momentane Unsicherheit und die Ausgangssperre können sie nun nicht mehr kommen und ihre Behandlung fortsetzen. Das könnte schwerwiegende gesundheitliche Folgen für sie haben."

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel, Tel.: 030-22 33 77 00