Afghanistan

Appell an Geberkonferenz in Berlin: Humanitäre Hilfe hat oberste Priorität

Berlin, 5. Dezember 2001. Anlässlich der Konferenz der wichtigsten Geberländer für Afghanistan (Afghan Support Group), die heute in Berlin unter deutschem Vorsitz startet, warnt die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen vor zu großem Optimismus. Oberste Priorität habe zurzeit die humanitäre Hilfe, auch wenn bereits in vielen Gremien der Wiederaufbau des Landes diskutiert werde. Noch immer wird in einigen Landesteilen gekämpft, und Millionen von Menschen innerhalb Afghanistans haben keinen Zugang zu dringend nötiger Hilfe.

Ärzte ohne Grenzen fordert die Geberländer zudem auf, sich dafür einzusetzen, dass die UN-Organisationen die notwendige finanzielle und politische Unterstützung erhalten, um ein effizientes Verteilungssystem für Hilfsgüter in Afghanistan aufzubauen. Dies sei eine Voraussetzung dafür, dass die Menschen in ihre Heimat zurückkehren könnten.

Die Menschen in Afghanistan benötigen nach Ansicht der Organisation Schutz vor Gewalt und Verfolgung. Darüber hinaus müssen Vertriebene, Asylbewerber und Flüchtlinge vor Zwangsrepatriierung und schlechter Behandlung in Lagern geschützt werden. Wichtig sei ebenso, dass die Nachbarländer Afghanistans ihre Grenzen öffnen und die Flüchtlinge adäquat versorgt werden.

Ärzte ohne Grenzen appelliert daher an die in Berlin tagenden Geberländer, sich dringend dafür einzusetzen, dass humanitäre Organisationen verstärkt auch außerhalb urbaner Zentren arbeiten können. Militärischen Schutz für humanitäre Helfer lehnt die Organisation ab. "Wir haben 20 Jahre unter schwierigen Bedingungen und ohne militärischen Beistand in Afghanistan gearbeitet, erklärte von Pilar. "Unser größter Schutz sind unsere Unabhängigkeit und die Nähe zur Bevölkerung, für die wir arbeiten."

Nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen ist die humanitäre Situation der Menschen in Afghanistan genauso verzweifelt wie vor dem 11. September. Die Folgen des Bürgerkriegs sowie der drei Jahre anhaltenden Dürre sind nach wie vor katastrophal. "Außerdem sind die Sicherheitsbedingungen außerhalb der größeren Städte oft schlecht, und es gibt zu wenige Organisationen im Land, um die große Not der Menschen aufzufangen", sagte die Geschäftsführerin der deutschen Sektion, Ulrike von Pilar. Obwohl Ärzte ohne Grenzen mit rund 60 internationalen und 400 afghanischen Mitarbeitern im Land ist, erreicht die Organisation nach eigenen Angaben nur einen Teil der Bedürftigsten.

Lesen Sie den offenen Brief an die Geberkonferenz.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Beate Wagner, Tel.: 030-22 33 77 00