Liberia

Angriff auf Liberias Hauptstadt - Ärzte ohne Grenzen behandelt verwundete Zivilisten

Berlin, 21. Juli 2003. Mehr als 80 verwundete Zivilisten werden zurzeit von Ärzte ohne Grenzen in der umkämpften liberianischen Hauptstadt Monrovia in zwei provisorisch errichteten Notkliniken behandelt. Dies ist der dritte Angriff auf die Stadt innerhalb der letzten zwei Monate. Regierungstruppen und Rebellen (LURD) kämpfen erneut um die Vormachtstellung in Monrovia. Am Wochenende wurde das Haus eines liberianischen Mitarbeiters von Ärzte ohne Grenzen von einer Granate getroffen. Der Mitarbeiter starb, noch bevor er in der Notaufnahme von Ärzte ohne Grenzen behandelt werden konnte.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1990 in Liberia. In Monrovia unterhält die Organisation neben zwei Notkliniken chirurgische Einrichtungen und Ernährungszentren sowie acht Gesundheitsstationen und vier Cholera-Behandlungszentren. Zudem stellt sie die Wasserversorgung für die Vertriebenen in der Stadt sicher und leistet Hilfe in Gesundheitszentren für Vertriebene nördlich Monrovias.

"Wir fordern alle Konfliktparteien auf, den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen und ihnen den Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen", sagte Pierre Mendiharat von Ärzte ohne Grenzen. Darüber hinaus muss der Schutz medizinischer Einrichtungen sowie die Sicherheit des medizinischen Personals garantiert werden.

Am Samstag evakuierte Ärzte ohne Grenzen 50 Cholera-Patienten aus zwei Behandlungszentren in der Nähe der umkämpften Gebiete. Sie wurden in zwei provisorisch errichtete Notkliniken auf dem Gelände der Organisation gebracht. Zudem haben 100 liberianische Mitarbeiter auf diesem Gelände Zuflucht gesucht.

Aufgrund der Kämpfe musste Ärzte ohne Grenzen am Freitag die Arbeit in drei Gesundheitszentren in Montserrado County, nördlich von Monrovia, einstellen. Dort waren bislang Zehntausende Vertriebene medizinisch versorgt worden. Als sich die Kampfhandlungen in dieser Gegend verschärften, strömten Tausende Vertriebene nach Monrovia, wo sie Zuflucht im Samuel Doe Stadion suchten. Dort sind bereits 20.000 Vertriebene untergebracht. Ärzte ohne Grenzen unterhält hier weiterhin eine Gesundheitsstation, betreut Cholera-Patienten und sorgt für die Wasserversorgung.

"Es ist fast unmöglich, unsere Patienten zu behandeln, denn das Gelände um die Klinik herum steht unter Beschuss", sagte Alain Kassa, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen. "Selbst die Kinderabteilung wurde von Kugeln getroffen. Gleichzeitig kommen weiterhin Verwundete hier an." Am Sonntag waren die Kämpfe in Monrovia so heftig, dass Ärzte ohne Grenzen keine Verwundeten transportieren konnte.

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Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77 00