Angola

Angola: Tausende kämpfen ums Überleben

Berlin, 5. August 2002. Fünf Monate nach dem Friedensschluss in Angola ist die Ernährungssituation noch immer dramatisch. Nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen benötigen Hunderttausende Menschen dringend Nahrungsmittelhilfe.

Seit 1983 ist Ärzte ohne Grenzen in Angola tätig. Zurzeit arbeiten 172 internationale sowie 2.200 angolanische Mitarbeiter in elf der 18 Provinzen und versorgen etwa 20.000 Menschen in rund 35 Ernährungszentren.

Auch wenn die Zahl der schwer unterernährten Kinder in anderen Regionen teilweise zurückgeht, sind die Menschen noch immer dringend auf medizinische Hilfe angewiesen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen versuchen zudem, in weitere abgelegene Gebiete vorzudringen, doch Minen, zerstörte Brücken und kriminelle Banden erschweren den Zugang zu den Menschen, die dort ums Überleben kämpfen.

Im Ernährungszentrum von Bailundo, das drei Stunden von der Provinzhauptstadt Huambo entfernt liegt, betreuen die Mitarbeiter der Organisation zum Beispiel mehr als 700 schwer unterernährte Kinder. "In allen Städten und Dörfern, die wir in der Region von Bailundo aufgesucht haben, hatten mindestens sieben Prozent der Kinder nur 70 Prozent des Normalgewichts und gelten damit als schwer unterernährt", erklärte Thierry Allafort-Duverger. "Hier geht es um das pure Überleben."

"Die Menschen hungern und frieren. Sie sind krank, haben weder Kleidung noch Decken und auch keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Die meisten Vertriebenen haben auch kein Saatgut erhalten, um ihre Felder zu bestellen", sagte Thierry Allafort-Duverger von Ärzte ohne Grenzen. Seit 1997 hat zudem in den ehemals unzugänglichen Gebieten keine Impfkampagne mehr stattgefunden. "Wenn jetzt Masern ausbrächen, wäre das eine Katastrophe", so Allafort-Duverger. Ärzte ohne Grenzen hat bereits etwa 50.000 Kinder geimpft und weitet die Impfprogramme aus.

Der Organisation zufolge läuft die Hilfe in den Demobilisierungslagern für ehemalige UNITA-Kämpfer und ihre Familien langsam an. Die Nahrungsmittelprogramme für die Zivilbevölkerung sind jedoch noch immer vom Zufall abhängig. Für diejenigen, die mindestens bis zur Ernte Anfang 2003 auf externe Hilfe angewiesen sind, sieht die Zukunft düster aus.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00