Angola

Angola: Ärzte ohne Grenzen fordert Schutz für ausgewiesene Minenarbeiter - Untersuchung bestätigt unmenschliches Vorgehen

Luanda/Berlin, 30. April 2004. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist äußerst besorgt über das unmenschliche Vorgehen angolanischer Behörden bei der Ausweisung kongolesischer Diamantenschürfer in die Demokratische Republik Kongo. Die Organisation fordert die angolanischen Behörden auf, den Schutz der Minenarbeiter zu garantieren sowie ihre Grundversorgung sicherzustellen.

Nach Angaben der angolanischen Behörden wurden bislang 53.000 kongolesische Minenarbeiter ausgewiesen. Weitere 50.000 bis 100.000 Diamantenschürfer, die sich illegal in Angola aufhalten, sollen in den kommenden Wochen abgeschoben werden. Sie werden über die Grenzprovinz Lunda Norte in die Demokratische Republik Kongo gebracht. In der Grenzregion beobachteten Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit Vertretern der UN-Organisationen OCHA (1) und UNICEF sowie der angolanischen Regierungsorganisation UTCAH (2) die Situation entlang der Straße Cuango-Cafunfu-Luremo.

Die Ausgewiesenen werden mit angolanischen Militärlastwagen in das 65 Kilometer von der Grenze entfernte Luremo gebracht. Dabei sind sie auf engstem Raum zusammengepfercht und der prallen Sonne ausgesetzt. Die meisten von ihnen werden unterwegs ausgeraubt und haben alles verloren, wenn sie in Luremo ankommen.

In Luremo werden die Betroffenen nach Diamanten und anderen Wertsachen durchsucht, wobei sie sich auch entwürdigenden Anal- und Vaginaluntersuchung unterziehen müssen, die zum Teil mit Stöcken durchgeführt werden. Oftmals werden bei der Untersuchung mehrerer Personen, die gleichen Latexhandschuhe getragen.

Anschließend sind die Männer gezwungen, die letzten 65 Kilometer zur Grenzstadt Tunguila zu Fuß zurückzulegen, was mehrere Tage dauert. Trotz der Hitze haben sie kaum Zugang zu Wasser, Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung und erreichen die Grenze in extrem erschöpftem Zustand. Die Vorgänge an der Grenze konnten die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen nicht beobachten, da die Behörden ihnen den Zugang verwehrten.

Ärzte ohne Grenzen wird in Luremo so schnell wie möglich medizinische Hilfe für die Ausgewiesenen anbieten. Außerdem ruft die Organisation die angolanische Regierung auf, die Menschen vor Gewalt zu schützen und ihre Grundversorgung dringend zu gewährleisten.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1983 in Angola tätig und betreut derzeit Projekte in 13 der 18 Provinzen des Landes.

Weitere Informationen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00