Algerien

Algerien: Ärzte ohne Grenzen verstärkt Team im algerischen Erdbebengebiet

Brüssel/Berlin, 27. Mai 2003. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wird östlich der Hauptstadt Algier mit dem Bau von sanitären Einrichtungen beginnen. Vier Mitarbeiter der Organisation sind bereits seit dem Wochenende im Erdbebengebiet tätig. Zwei weitere Kollegen werden heute in Algerien eintreffen, um das dortige Team bei der Arbeit zu unterstützen.

Neben einem Wasserexperten wird auch noch ein Psychologe, der Erfahrung bei der Behandlung von Trauma-Patienten nach Naturkatastrophen hat, heute in Algier eintreffen. Er wird entscheiden, ob ein Programm zur Bewältigung posttraumatischer Belastungsstörungen (PSTD) nötig ist.

"Angemessene Notfallhilfe muss flexibel sein", erklärte Serge Beel. "Wir haben unsere Erfahrung aus anderen Erdbebengebieten wie der Türkei und Afghanistan genutzt, um auf verschiedene Anforderungen vorbereitet zu sein. Vor Ort passen wir unseren Einsatz den tatsächlichen Bedürfnissen an. In Anbetracht der augenblicklichen Situation und der Hilfe, die bereits geleistet wird, werden wir uns deshalb auf die Bereiche Wasser- und Sanitärversorgung sowie Trauma-Bewältigung konzentrieren."

Am Wochenende hatte ein Team von Nephrologen (Nieren-Spezialisten) mehrere Krankenhäuser besucht, um sich einen Überblick zu verschaffen, in welchem Umfang Dialyse-Behandlungen notwendig sind. Das Risiko eines Nierenversagens ist bei Erdbebenopfern infolge von Quetschungen des Muskelgewebes besonders hoch. Das abgestorbene Gewebe wird im Körper zur Niere transportiert und verstopft die Gefäße. Unbehandelt führt Nierenversagen zum Tode. Mit Hilfe der Dialyse wird das Muskeleiweiß aus dem Körper gefiltert. In Algerien scheint der Bedarf für Nothilfe in diesem Bereich jedoch gering zu sein. Die Nephrologen werden deshalb schon bald nach Europa zurückkehren.

Ärzte ohne Grenzen wird in Boumerdès und anderen kleinen Dörfern östliche der Hauptstadt Algier mit dem Bau von sanitären Einrichtungen beginnen. Dort befand sich das Epizentrum des Erdbebens. Während eines Koordinationstreffens am Sonntag bat der algerische Gesundheitsminister die Organisation um eine Einschätzung beim Bedarf von sauberem Trinkwasser. Ärzte ohne Grenzen kommt der Bitte des Ministeriums nach und entsendet jetzt einen Spezialisten für Wasser/Sanitärversorgung.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00