Angola

Akute Ernährungskrise in Angola - Nahrungsmittelhilfe ist noch immer unzureichend

Berlin/Luanda, 27. Juni 2002. In Angola gibt es in einigen Regionen sogenannte "Hungertaschen", in denen viele Menschen schwer unterernährt sind und die Sterberate weit über dem Wert liegt, der eine akute Notsituation bezeichnet. Eine neue Ernährungsstudie, die von der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Mitte Juni durchgeführt wurde, bestätigt die kritische Lage.

In 44 Ernährungszentren behandeln die Teams von Ärzte ohne Grenzen rund 14.000 Menschen in elf der 18 Provinzen des Landes. Das Projekt in Angola ist derzeit das größte der Organisation weltweit.

Seit dem Waffenstillstand Anfang April 2002 haben die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen Zugang zu vielen Gebieten erhalten, die drei Jahre lang völlig von humanitärer Hilfe abgeschnitten waren. Immer wieder stoßen sie auf sogenannte "Hungertaschen", in denen die Menschen kurz vor dem Hungertod stehen.

"Obwohl 18 Prozent der Bevölkerung unterernährt sind und sogar fünf Prozent der Kinder unter fünf Jahren als schwer unterernährt gelten, werden noch immer nicht genügend Nahrungsmittel an die Bevölkerung ausgegeben", sagte der Epidemiologe Vincent Brown, der die Studie koordiniert hat. Erst Mitte Juni hatte Ärzte ohne Grenzen das UN-Welternährungsprogramm und die angolanische Regierung kritisiert, dass die dringend benötigten Nahrungsmittel-Verteilprogramme zu schleppend anliefen.

Vom 10.-14. Juni 2002 wurden in der südlichen Provinz Huambo 15.000 Menschen untersucht. Jedes sechste Kind ist der Studie zufolge unterernährt, und Unterernährung ist die Haupttodesursache. Die Sterberate liegt zweimal so hoch (2.3/10.000/Tag) wie der Schwellenwert, der eine akute Krise anzeigt. Drei Viertel der Todesfälle sind der Studie zufolge Kinder unter fünf Jahren.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle,
Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00