Indien

AIDS: Kombinationstherapie kostet weniger als einen Dollar pro Tag

Genf/Berlin, 7. Februar 2001. Ärzte ohne Grenzen begrüßt die Ankündigung des indischen Generika-Produzenten Cipla, der Organisation die Aids-Kombinationstherapie zum jährlichen Preis von 350 US-Dollar pro Patient zur Verfügung zu stellen. Ein ähnliches Angebot unterbreitete der Pharmakonzern auch den nationalen Regierungen weltweit. Diese sollen die Dreifachtherapie für 600 Dollar pro Patient kaufen können. Ärzte ohne Grenzen fordert Cipla jedoch auf, das günstige Angebot von 350 Dollar auch für nationale Regierungen und UN-Organisationen zur Verfügung zu stellen.

Ärzte ohne Grenzen ruft außerdem die fünf pharmazeutischen Unternehmen auf, die im Rahmen der "Accelerating Access Initiative" mit UNAIDS zusammenarbeiten, ihre Medikamentenpreise entsprechend zu senken und dem Angebot von Cipla anzunähern. Darüber hinaus fordert Ärzte ohne Grenzen die Unternehmen erneut auf, ihre Preise transparenter zu gestalten sowie dafür zu sorgen, dass Medikamente so schnell und zuverlässig wie möglich die betroffenen Patienten erreichen. Für die Hilfsorganisation beweist das Angebot des indischen Konzerns, dass es möglich ist, Medikamentenpreise ab sofort zu senken.

Am Weltaidstag 2000 hatte Ärzte ohne Grenzen die fünf großen pharmazeutischen Unternehmen (Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers-Squibb, Glaxo, Merck und Roche) bereits aufgefordert, ihre Preise um 95 Prozent zu senken. Kein Unternehmen hat bisher positiv darauf reagiert.

Nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen sind der politische Wille zur Bekämpfung von Aids sowie die Verbesserung des Zugangs zu Medikamenten grundlegende Vorraussetzungen für den Kampf gegen die Krankheit. So hat der politische Einsatz der brasilianischen Regierung dafür gesorgt, die Anzahl der Aids-Toten in Brasilien zu halbieren, indem Medikamente generisch produziert werden. Produzenten, die wie die brasilianische Regierung in der Lage sind, in großem Maßstab Nachahmerprodukte herzustellen, können unentbehrliche Medikamente für andere Entwicklungsländer zur Verfügung stellen sowie die Produktion im eigenen Land ankurbeln. Die Entwicklungsländer sollten Ärzte ohne Grenzen zufolge dazu ihre Rechte, die ihnen seitens des WTO-TRIPS-Abkommens zustehen, zur Produktion und zum Import von generischen Aids-Medikamenten nutzen.

Ärzte ohne Grenzen fordert die internationale Gemeinschaft auf, politische, praktische und finanzielle Unterstützung zu leisten, um sicherzustellen, dass die günstigen Medikamente so schnell wie möglich die Patienten erreichen. Dazu müssen die Entwicklungsländer die Schutzmechanismen des TRIPS-Abkommens in ihre nationale Gesetzgebung einführen. Die Vereinten Nationen können bei der Verteilung der Medikamente helfen. Durch die finanzielle Unterstützung verschiedener Geldgeber können Medikamente eingekauft und die antiretroviralen Behandlungsprogramme durchgeführt werden. Ärzte ohne Grenzen zufolge sollten auf einem internationalen Treffen die Entwicklungsländer zusammen mit den Vereinten Nationen, den Medikamentenherstellern und Geldgebern eine Strategie erarbeiten, die die Umsetzung des Angebots ermöglichen soll.

Mit dem Angebot von Cipla rückt der Preis von 200 Dollar, der von Ärzte ohne Grenzen bei der Aids-Konferenz in Durban angestrebt wurde, in Reichweite. Der von Cipla angebotene Preis von 350 Dollar bedeutet eine Preisreduktion von 96,6 Prozent gegenüber dem Ausgangspreis von 10.400 Dollar, für den die Kombinationstherapie in den USA erhältlich ist.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00