Afrika-Malaria-Tag: Ärzte ohne Grenzen fordert schnellen Einsatz neuer Therapieform

London/Berlin, 24. April 2003. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnt vor den tödlichen Folgen veralteter Malaria-Medikamente und ruft internationale Geldgeber auf, mehr Geld für wirksame artemisininhaltige Kombinationspräparate (ACT) zur Verfügung zu stellen. Anlässlich des Afrika-Malaria-Tages (1) am 25. April legt die Organisation einen Bericht vor, der zeigt, dass viele Patienten an Malaria sterben, weil gängige Medikamente unwirksam geworden sind und neue effektive Arzneimittel nur zögerlich eingesetzt werden.

In Afrika sterben jährlich bis zu zwei Millionen Menschen an Malaria. Etwa die Hälfte aller Krankenhausaufenthalte betreffen Malaria. Dem Bericht mit dem Titel "ACT Now" zufolge ist die Zahl der Malaria-Erkrankungen seit den 70er Jahren um das Vierfache gestiegen. Darüber hinaus hat sich die Zahl der malariabedingten Todesfälle in afrikanischen Krankenhäusern mehr als verdoppelt. Ursache hierfür ist nach Aussagen von Ärzte ohne Grenzen vor allem, dass trotz weit verbreiteter Resistenzen weiterhin veraltete Medikamente verwendet werden.

"Auch Deutschland als Geberland muss jetzt handeln. Schließlich ist es sinnvoller, mehr Geld in eine effektive Behandlung zu investieren, als viel Geld für wirkungslose Medikamente auszugeben", so Tobias Luppe. Ärzte ohne Grenzen setzt die Artemisinin-Kombinationstherapie bereits erfolgreich in Projekten in acht afrikanischen Staaten ein.

Während die Regierungen afrikanischer Länder die Empfehlungen der WHO ernst nehmen, verhindern jedoch laut Ärzte ohne Grenzen fehlende finanzielle Ressourcen deren Umsetzung. Die Organisation fordert deshalb Geberländer und staatliche Entwicklungshilfeorganisationen wie die deutsche GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) auf, sich für die schnelle Anwendung der neuen Therapie einzusetzen.

"Seit 2001 empfehlen Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die veralteten Medikamente durch die neuen Kombinationspräparate zu ersetzen. Doch bisher haben es die Geldgeber - allen voran britische und amerikanische Entwicklungshilfeinstitutionen wie DFID und USAID - vorgezogen, Geld zu sparen, statt Leben zu retten", sagte Tobias Luppe von Ärzte ohne Grenzen. "Das Ziel, die Zahl der Malaria-Toten bis zum Jahr 2010 zu halbieren, kann so nicht erreicht werden." Dieses Ziel hatten sich die afrikanischen Staatsoberhäupter gemeinsam mit den G8-Regierungen gesetzt.

Der Bericht sowie Filmmaterial zu Malaria können bei der Pressestelle angefordert werden.

In Ländern wie Tansania, Kenia und Uganda sind die Erreger in bis zu 90 Prozent der Fälle gegen den gängigen Wirkstoff Chloroquin resistent geworden. Dagegen sind neue Präparate auf der Basis des Wirkstoffs Artemisinin hochpotent, schnell wirksam und gut verträglich. Doch während eine Dosis Chloroquin etwa zehn Cent kostet, muss für eine Erwachsenendosis einer Artemisinin-Kombinationstherapie rund 1,50 US-Dollar bezahlt werden. Ärzte ohne Grenzen schätzt, dass es 100-200 Millionen US-Dollar kosten würde, diese Therapie in allen afrikanischen Ländern einzuführen.

(1) Am 25. April 2000 unterzeichneten in Abuja / Nigeria 44 Staats- und Regierungschefs von Ländern, die von Malaria betroffen sind, eine Erklärung zum gemeinsamen Kampf gegen die Ausbreitung von Malaria. Jährlich wird am 25. April an diese Erklärung erinnert.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00