Afghanistan

Vorratslager von Ärzte ohne Grenzen geplündert - Programme müssen teilweise eingestellt werden

Berlin/Brüssel, 18. Oktober 2001. In den vergangenen Tagen wurden einige Büros und Vorratslager der internationalen Organisation Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan geplündert. In den Städten Mazar-I-Sharif und Kandahar lagerten die Hilfsgüter, die für die medizinischen Projekte und Ernährungszentren unerlässlich waren. Als Folge der Plünderungen wurden die Menschen in sechs Provinzen des Landes von lebenswichtiger Hilfe abgeschnitten.

In den Nachbarländern Afghanistans halten sich etwa 60 internationale Mitarbeiter bereit, um abhängig von der weiteren Entwicklung entweder nach Afghanistan zurückzugehen oder Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern versorgen zu können.

In zwei Provinzen im Nordosten Afghanistans, die unter Kontrolle der Nordallianz sind, werden die Projekte von Ärzte ohne Grenzen mit internationalem und nationalem Personal fortgesetzt.

Obwohl Ärzte ohne Grenzen nach dem 11. September internationales Personal aus Sicherheitsgründen aus dem von den Taliban kontrollierten Gebiet zurückziehen musste, konnten die afghanischen Mitarbeiter die Projekte weiterführen und die Bevölkerung mit lebenswichtiger Hilfe versorgen. Die Schließung der beiden Projekte in Mazar-I-Sharif und Kandahar bedeutet jetzt, dass im Norden und Süden des Landes keine Hilfe mehr möglich ist. In anderen Landesteilen laufen die Projekte der Organisation noch weiter.

"Die afghanische Bevölkerung hat in diesen Provinzen jetzt praktisch keinen Zugang mehr zu internationaler Hilfe", erklärte Ulrike von Pilar, Geschäftsführerin der deutschen Sektion. "Die Menschen müssen aber das Recht haben, entweder innerhalb oder außerhalb des Landes Schutz und Hilfe zu suchen." Ärzte ohne Grenzen fordert die Behörden in Afghanistan auf, die noch im Land verbliebenen Hilfsstrukturen zu respektieren. Darüber hinaus müsse der Bevölkerung ungehinderter Zugang zu den wenigen Orten gewährt werden, wo Nahrungsmittelhilfe und medizinische Unterstützung noch möglich sind. Die Organisation ist zudem sehr besorgt, dass alle internationalen Grenzen zu den Nachbarländern geschlossen sind und die Bevölkerung somit keine Chance hat, das Land zu verlassen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00