Afghanistan

Afghanistan: Viele Zivilisten bei Bombardierung von Tora Bora verwundet

Berlin, 6. Dezember 2001. Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen fordert die Kriegsparteien in Afghanistan auf, Zivilisten im umkämpften Gebiet um Tora Bora zu verschonen. Seit dem 1. Dezember wurden mehr als 80 Tote und 50 Verletzte gezählt, darunter viele Frauen und Kinder. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus nach Dschalalabad transportiert. Die Opfer stammen nicht nur aus Tora Bora im Osten Afghanistans, sondern auch aus den nahe gelegenen Dörfern Pachir, Wazir und Agam.

Mehr als 60 internationale und 400 afghanische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen leisten von sechs Städten aus medizinische Hilfe: Herat, Mazar-I-Sharif, Taloqan, Faizabad, Kabul und Dschalalabad.

Nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen sind diese Ereignisse äußerst beunruhigend, da immer wieder betont wird, dass der Krieg gegen den Terrorismus im Namen der Zivilisation und Wahrung der humanitären Werte geführt werde. Die Allianz unter US-amerikanischer Führung sei dafür verantwortlich, dass das internationale Völkerrecht geachtet und insbesondere die Verhältnismäßigkeit des Gewalteinsatzes gewahrt wird. Nach Beobachtungen von Ärzte ohne Grenzen vor Ort fordern die Militäroperationen eine inakzeptabel hohe Zahl ziviler Opfer. Die Organisation ruft die Konfliktparteien auf, die Auswirkungen der Auseinandersetzungen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.

Inzwischen ist das Vertriebenenlager in Hesarshari von ursprünglich 500 auf nun 2.000 Familien angewachsen. Die Bombenangriffe um Tora Bora haben zudem Waldbrände ausgelöst, die zurzeit nicht unter Kontrolle gebracht werden können.

Kurz nachdem die Bombenangriffe starteten und erste Meldungen über zivile Opfer bekannt wurden, begann Ärzte ohne Grenzen, mit drei Rettungswagen die Opfer zu evakuieren. Unter ihnen war eine Familie, deren Vater getötet, die Mutter schwer verletzt und vier Kinder leichter verletzt wurden. Ein sechsjähriger Junge verlor ein Auge, einen Arm sowie ein Bein. Der andere Arm musste teilweise amputiert werden.

Da sich die Sicherheitssituation in Dschalalabad in Folge der Bombenangriffe verschlechtert hat, wurde das Team von Ärzte ohne Grenzen nach Pakistan evakuiert. Die Rettungswagen sind jedoch weiter mit afghanischem Personal im Einsatz. Darüber hinaus unterstützt Ärzte ohne Grenzen das Krankenhaus in Koghiani, das nahe Tora Bora liegt, mit Medikamenten und chirurgischem Material.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Beate Wagner, Tel.: 030-22 33 77 00