Afghanistan

Afghanistan - Skorbut-Ausbruch im Norden des Landes durch Nahrungsmittelmangel verursacht

Faryab/Berlin, 25. Mai 2001. Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen bestätigt einen Skorbut-Ausbruch im Norden Afghanistans, in der Provinz Faryab. Die Krankheit, die durch Vitamin-C-Mangel verursacht wird, führt dazu, dass die Beine blau anlaufen, das Zahnfleisch blutet und die Zähne locker werden. Ärzte ohne Grenzen fordert das UN-Welternährungsprogramm zur sofortigen Verteilung von Nahrungsmitteln auf, da die Menschen in dieser Region dringend auf Hilfe von außen angewiesen sind.

Ärzte ohne Grenzen fordert daher das UN-Welternährungsprogramm auf, eine allgemeine Nahrungsmittelverteilung für die Bevölkerung im Norden des Landes anlaufen zu lassen. Die Menschen in dieser Region seien auf Hilfe von außen dringend angewiesen.

Die Organisation hat an mehrere Tausend Familien Vitamin-C-Tabletten verteilt. Außerdem wurden stärkende Nahrungsmittel ausgegeben. Die Organisation befürchtet jedoch, dass dieser Skorbut-Ausbruch nur die Spitze des Eisberges und Anzeichen einer größeren Ernährungskrise ist.

Ärzte ohne Grenzen hat bei zwei Erkundungsfahrten in der nördlichen Bergregion insgesamt 86 Dörfer (5981 Familien) besucht. Dabei wurden 343 Fälle von Skorbut festgestellt, von denen zwei tödlich endeten. Weitere Fälle der Krankheit wurden in den vergangenen Tagen im Süden von Mazar-i-Shariff festgestellt.

"Diese Krankheit sollte es eigentlich im 21. Jahrhundert nicht mehr geben", erklärte Stephan Goedgebuur, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Region. "Bereits 1999 gab es eine karge Ernte, und die Dürre im letzten Jahr hat zu einem vollkommenen Ernteausfall geführt. Außerdem gibt es nach zwei Jahrzehnten Krieg Tausende von Vertriebenen im Land. Die traditionellen Überlebensmechanismen wurden in den letzten Jahren einfach überstrapaziert. Ich fürchte, dass die Menschen keine Reserven mehr haben", so Goedgebuur.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Anke Stockdreher, Tel.: 030-22 33 77 00