Afghanistan

Afghanistan: Nahrungsmittelkrise verschlimmert sich

Berlin, 21. Januar 2002. Die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen warnt vor einer zunehmenden Nahrungsmittelkrise in der Provinz Faryab im Norden Afghanistans. In einer kürzlich im Karai-Tal durchgeführten Studie stellt die Organisation fest, dass jedes siebte Kind in der Region unterernährt ist. Die Gegend ist von der anhaltenden Dürre besonders hart betroffen. Vor allem in den abgelegenen Gebieten verschlechtert sich die Ernährungssituation zusehends. Laut Ärzte ohne Grenzen ist die allgemeine Nahrungsmittelverteilung unzureichend und erreicht die Bedürftigsten nicht.

Ärzte ohne Grenzen hat im vergangenen Jahr fünf Ernährungszentren im Norden Afghanistans errichtet. Aufgrund der sich verschlechternden Situation wurden vier weitere Zentren eröffnet. Die Mitarbeiter werden zudem im Karai-Tal in der Provinz Faryab an alle Familien mit Kindern zusätzliche Nahrung verteilen. Die Organisation betont jedoch, dass dies eine angemessene allgemeine Nahrungsmittelverteilung nicht ersetzen können.

Die nördlichen und westlichen Provinzen Afghanistans sind besonders schwer von der andauernden Dürre betroffen. Dort ernährt sich die Bevölkerung nur noch von Brot und Tee. Im vergangenen Jahr kam es in der Provinz Faryab zu einem Ausbruch von Skorbut. In den ersten Wochen dieses Jahres wurden im Bezirk Qeysar mindestens drei Fälle von Skorbut bestätigt.

"Es ist äußerst gefährlich, die derzeitige Nahrungsmittelkrise zu unterschätzen," sagt Malik Allaouna, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Mazar-I-Sharif. "Die Menschen brauchen dringend mehr Nahrungsmittel. Darüber hinaus muss eine bessere Qualität der Nahrung gewährleistet und sichergestellt werden, dass die Hilfe die am meisten betroffenen Familien auch erreicht."

Von rund 2.700 untersuchten Kindern leiden etwa 15 Prozent an Unterernährung. Darüber hinaus kommen immer mehr schwer unterernährte Kinder in die Ernährungszentren von Ärzte ohne Grenzen. Seit August 2001 hat sich die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren verdoppelt und liegt derzeit bei 3,32 pro 1.000 Kinder pro Tag. Bei vier Todesfällen pro 1.000 Kinder pro Tag spricht man von einer akuten Notsituation.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00