Afghanistan

Afghanistan: Alarmierender Anstieg der Unterernährung im Lager Mazlakh trotz ausreichender Nahrungsmittel

Herat/Berlin, 7. Februar 2002. Im Vertriebenenlager Mazlakh nahe der Stadt Herat im Westen Afghanistans nimmt die Zahl der Unterernährten alarmierend zu. Dies ist um so Besorgnis erregender, als es genügend Nahrungsmittel im Lager selbst gibt. Hierzu legte die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen eine neue Studie vor.

Das Beispiel Mazlakh zeigt, dass trotz des internationalen Optimismus und der Millionen US-Dollar, die zum Wiederaufbau Afghanistans versprochen wurden, die Menschen immer noch dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Die internationale Hilfe muss sich neben dem Wiederaufbau des Staatsapparats und des Landes vor allem auf die akuten humanitären Bedürfnisse konzentrieren.

Ärzte ohne Grenzen fordert, dass die Internationale Organisation für Migration (IOM), die UN-Organisationen sowie die lokalen Behörden ihre Bemühungen verstärken, den Vertriebenen in Mazlakh effektive Hilfe zukommen zu lassen. Da die Anzahl der unterernährten Menschen innerhalb des Lagers erschreckende Ausmaße annimmt, sollte zuerst das Sicherheitsproblem im Lager gelöst werden. Nur so können die Nahrungsmittel gerecht verteilt und die Bedürftigsten erreicht werden.

Rund 160.000 Menschen sind vor der Dürre und Unsicherheit in ihren Heimatregionen nach Mazlakh geflohen. In Mazlakh werden Nahrungsmittel für bis zu 300.000 Vertriebene zur Verfügung gestellt. Die Studie zeigt, dass die Nahrungsmittel ungleich verteilt werden und die Bedürftigsten keinen Zugang dazu haben. Dies liegt vor allem an der hohen Kriminalität, Korruption und den ethnischen Spannungen im Lager. So haben beispielsweise viele Menschen Angst, ihre Zelte zu verlassen, um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Obwohl es in den Ernährungszentren von Ärzte ohne Grenzen eine Kapazität für mehr als 200 Kinder gibt, wurden bislang nur 80 Kinder aufgenommen. Der Studie zufolge erfüllen jedoch Hunderte die Aufnahmekritierien.

"Es ist absurd, dass die Unterernährung der Menschen zunimmt, je länger sie sich im Lager aufhalten", sagte Stefano Savi, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen in Herat. "Es ist ganz klar, dass die Vertriebenen in Mazlakh Gefahr laufen, unterernährt und in der Folge krank zu werden. Im schlimmsten Fall müssen sie mit dem Tod rechnen."

1.869 Kinder wurden durch die repräsentative Untersuchung erfasst. Das Ergebnis ist alarmierend: 26,4 Prozent der Kinder sind unterernährt, 6,6 Prozent sogar schwer unterernährt. Diese Werte sind nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen insofern Besorgnis erregend, da die Unterernährungsrate bei den Neuankömmlingen im Lager Mazlakh unter zehn Prozent liegt.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00