Afghanistan

Afghanistan: Ärzte ohne Grenzen verurteilt die brutale Ermordung von fünf Mitarbeitern

Kabul/Berlin, 4. Juni 2004. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verurteilt den brutalen Anschlag auf fünf ihrer Mitarbeiter in Afghanistan aufs Schärfste. Ärzte ohne Grenzen trauert um die Kollegen, die am Mittwoch ermordet wurden, und betont ausdrücklich die Unabhängigkeit der medizinischen Arbeit, die die Organisation seit 1979 im Land leistet.

Ärzte ohne Grenzen weist darauf hin, dass der Mord an humanitären Helfern nach internationalem Recht ein Kriegsverbrechen darstellt. Die fünf Mitarbeiter waren in Afghanistan im Einsatz, um Menschen in Not zu helfen - ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft oder ihrer politischen und religiösen Überzeugungen. Der Angriff gefährdet laut Ärzte ohne Grenzen die Arbeit unabhängiger humanitärer Organisationen und damit auch die Bereitstellung der Hilfe für die afghanische Bevölkerung.

Die fünf Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen wurden am Mittwoch Nachmittag in der Provinz Badghis im Nordwesten Afghanistans ermordet. Der Toyota-Geländewagen, in dem sie unterwegs waren, wurde angegriffen und aus verschiedenen Richtungen beschossen. Auch Schrapnellteile wurden später im Auto gefunden, was darauf hindeutet, dass eine Handgranate explodiert ist. Die Tatsache, dass nichts gestohlen wurde, ist ein klarer Beweis dafür, dass es sich nicht um einen Raubüberfall handelt.

Die Taliban haben Berichten zufolge wiederholt behauptet, für diesen Angriff verantwortlich zu sein. Ärzte ohne Grenzen kann diese Verlautbarungen weder bestätigen noch widerlegen.

Ärzte ohne Grenzen ist bereits seit 1979 in Afghanistan tätig und leistet dort medizinische Hilfe. Während all dieser Jahre war es der Organisation möglich, unter wechselnden Machthabern zu arbeiten. Unter schwierigsten Bedingungen konnte Ärzte ohne Grenzen Zugang zu umkämpften Gebieten erhalten, Frontlinien überqueren und den vom Krieg betroffenen Menschen helfen. Die Bevölkerung akzeptierte Ärzte ohne Grenzen dabei immer als unabhängige humanitäre Organisation. Nach der Ermordung der Mitarbeiter wurden jetzt alle Aktivitäten in Afghanistan vorerst eingestellt. Zurzeit wird geprüft, wie die Hilfe für Menschen in Not unter diesen Bedingungen weitergeführt werden kann.

Weitere Informationen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00