Afghanistan

Ärzte ohne Grenzen lehnt Abwurf von Medikamenten und Lebensmitteln als Teil einer Militäroperation ab

Berlin/Paris, 8. Oktober 2001. Als Reaktion auf die Anschläge in New York und Washington, die 6000 Todesopfer forderten, bombardierten am gestrigen Sonntag amerikanische und britische Luftstreitkräfte Ziele in Afghanistan. Der gleichzeitige Abwurf von Lebensmitteln und Medikamenten wurde von der internationalen medizinischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen als Teil einer militärischen Strategie kritisiert.

Aus diesem Grund lehnt Ärzte ohne Grenzen die von US-Präsident Bush und dem britischen Premierminister Blair vorgeschlagene Idee einer humanitären Koalition, die Hand in Hand mit einer militärischen Koalition gehen solle, ab. Ärzte ohne Grenzen fordert stattdessen die Unabhängigkeit der humanitären Hilfe.

Nach Einschätzung der Organisation ist es nutzlos und möglicherweise gefährlich, während nächtlicher Luftangriffe Medikamente und Lebensmittel abzuwerfen, ohne zu wissen, wer diese erhalten wird. Ärzte ohne Grenzen kritisiert das Vorgehen der Verantwortlichen, die einerseits militärisch angreifen und andererseits Medikamente verteilen. Die Mitarbeiter der Organisation befürchten, dass die Vermischung von militärischen Operationen mit humanitärer Hilfe die ohnehin schon schwierigen Bedingungen für die humanitäre Hilfe verschärfen wird.

Der Abwurf der Hilfsgüter war von den politisch Verantwortlichen als "humanitäre" Operation bezeichnet worden. Ärzte ohne Grenzen wendet sich dagegen, humanitäre Hilfe zur Werbung um internationale Anerkennung und Unterstützung für die durch die USA angeführten Angriffe zu benutzen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00