Kenia

Ärzte ohne Grenzen wird Zeuge der Zwangsumsiedlung von Vertriebenen im Westen Kenias

Nairobi / Berlin, 16. Mai 2008. In der letzten Woche haben Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen beobachtet, wie Vertriebene im Lager Endebess im Westen Kenias zwangsweise in ihre Heimatorte zurückgeschickt oder umgesiedelt wurden. Die Einwohner des Lagers wurden bedroht und aufgefordert zu gehen, obwohl viele von ihnen sich vor der Rückkehr in ihre Heimatorte fürchten oder nicht wissen, wohin sie gehen sollen.

"Ärzte ohne Grenzen ist bewusst, dass die Menschen, die während der gewaltsamen Auseinandersetzungen nach den Wahlen vertrieben wurden, letztlich heimkehren oder sich anderswo ansiedeln müssen. Aber wir sind überzeugt, dass dies freiwillig und gut organisiert geschehen muss. In Endebess ist das eindeutig nicht der Fall", sagte Rémi Carrier, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kenia.

Am vergangenen Mittwoch hat Ärzte ohne Grenzen beobachtet, wie Regierungsbeamte und bewaffnete Polizisten von Zelt zu Zelt gegangen sind und Menschen bedroht und bedrängt haben, das Lager zu verlassen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben auch Verhaftungen und Prügel im Lager erlebt.

In der vergangenen Woche haben etwa 80 Prozent der ursprünglich 9.000 Bewohner das Lager verlassen. Einige sind Zusicherungen der Regierung gefolgt, die ihnen bei ihrer Rückkehr Sicherheit, Unterkünfte, Saatgut, Nahrung und Geld versprochen hat. Andere gingen unter der Androhung von Gewalt. Von den 1.200, die geblieben sind, sind die meisten traumatisiert und haben Angst davor, was ihnen passieren könnte, wenn sie nach Hause zurückkehren, oder sie haben kein Zuhause.

Bei Besuchen in Dörfern in der Nähe des Lagers Endebess haben Teams von Ärzte ohne Grenzen etliche Menschen beobachtet, die ihre Zelte auf Feldern oder an der Straße aufgeschlagen haben. Einige haben Zuflucht in einer Schule gefunden. "Für die Menschen, die aus den Lagern geworfen wurden, ist kaum etwas vorbereitet worden. Zugang zu Wasser, Latrinen und einfachen Bedarfsartikeln ist selten. Wir sind besorgt über die gesundheitliche Versorgung dieser Menschen", sagte Natasha Ticzon, Ärztin der Organisation.

Viele der Vertriebenen erzählen, dass sie gezwungen wurden, das Lager zu verlassen, und nun auf Hilfe der Regierung warten. Sie sagen, dass sie trotz versprochener Entschädigung nur begrenzte Unterstützung von der Regierung erhalten haben. Zudem ist wenig getan worden, um die Ursachen ihrer Vertreibung zu beheben. Ein Mann im Lager Endebess erklärt: "Mein Nachbar hat uns verjagt. Er ist immer noch da und hat seine Machete in seinem Haus. Wie können wir unter diesen Umständen zurückkehren?"

Ärzte ohne Grenzen wird die Menschen in und um Endebess, die von der Gewalt nach den Wahlen betroffen sind, weiter unterstützen und fordert von den Behörden, dass jegliche Rückkehr oder Umsiedlung gut geplant und auf freiwilliger Basis stattfinden muss.

Weitere Informationen: Pressestelle, Stephan Große Rüschkamp, 030 - 22 33 77 00