Ärzte ohne Grenzen übergibt 12.000 Unterschriften an BMZ-Ministerin

Berlin, 29. November 2001. Anlässlich des Welt-Aids-Tages ruft Ärzte ohne Grenzen die Regierungen weltweit auf, den Bekenntnissen zur Bekämpfung von Aids in ärmeren Ländern endlich Taten folgen zu lassen. Mit Pilotprojekten in acht Ländern hat die Organisation gezeigt, dass eine Therapie mit dem Aids-Cocktail auch in ärmeren Ländern möglich ist. Gleichzeitig hat Ärzte ohne Grenzen 12.000 Unterschriften an BMZ-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul übergeben. Die Bundesregierung wird damit aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Menschen weltweit Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten erhalten. Jährlich sterben etwa 17 Millionen Menschen an behandelbaren Krankheiten, wie HIV/Aids oder Tuberkulose, weil Arzneimittel fehlen oder unbezahlbar sind.

Ärzte ohne Grenzen führt in etwa 30 Ländern HIV/Aids-Projekte mit den Schwerpunkten Prävention, Behandlung und psycho-soziale Betreuung durch. Mit der Dreifach-Therapie werden rund 700 Menschen in acht Ländern behandelt: in El Salvador Guatemala, Kambodscha, Kamerun, Kenia, Malawi, Südafrika, Thailand.

Da die Medikamentenpreise aufgrund des öffentlichen Drucks und des wirtschaftlichen Wettbewerbs in Folge der Generika-Produktion gefallen sind, können sich die Regierungen nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen nicht mehr aus der Verantwortung ziehen. "Es muss jetzt mit der Behandlung begonnen werden", fordert Schlageter. "Die Entwicklungsländer müssen dabei eine Vorreiterrolle übernehmen, und die Geberländer müssen die notwendigen Finanzmittel bereitstellen." Schlageter zufolge kann Ärzte ohne Grenzen nur in Pilotprojekten aufzeigen, dass eine Behandlung möglich ist. Für landesweite Programme seien jedoch die Regierungen verantwortlich.

Die ersten Erfahrungen, die die Organisation bei der Behandlung von HIV/Aids-Patienten mit der Dreifachtherapie gemacht hat, sind äußerst ermutigend. "Es ist revolutionär, dass wir in unseren Projekten in Guatemala mit antiretroviralen Medikamenten behandeln können, da diese für die Patienten in den meisten zentralamerikanischen Ländern unerschwinglich sind," berichtet Belen Pedrique, medizinische Koordinatorin in Guatemala. "Die Lebensqualität unserer Patienten hat sich drastisch verbessert. Es kommt viel seltener zu Begleitinfektionen, und die Patienten sind in der Lage, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren und sich um ihre Familien zu kümmern."

Weltweit sind rund 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. 95 Prozent von ihnen leben in ärmeren Ländern. "Diesen Menschen muss jetzt mit der Dreifach-Therapie geholfen werden", sagt Ludmilla Schlageter, Referentin der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.

ACHTUNG: Betacam-Material zu Aids in Guatemala, Malawi, Thailand erhältlich

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00