Ärzte ohne Grenzen: Tuberkulose gerät außer Kontrolle

Paris/ Berlin, 26. Oktober 2004. Anlässlich einer internationalen Konferenz (1) in Paris zu Lungengesundheit warnt die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen davor, dass Millionen Menschen in ärmeren Ländern weiter an der heilbaren Krankheit Tuberkulose (TB) sterben werden. Sie fordert einen radikalen Wechsel in der globalen Bekämpfung von Tuberkulose.

"Für Mediziner gehört Tuberkulose zu einer der größten Frustrationen", sagte Tido von Schön-Angerer von der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. "In den Ländern, in denen wir arbeiten, tötet Tuberkulose viele tausend Menschen, ohne dass wir die Chance haben, sie angemessen oder rechtzeitig zu behandeln."

Die meisten TB-Programme in ärmeren Ländern verlassen sich auf die mikroskopische Untersuchung von Sputum, um TB festzustellen. Diese Methode wurde 1882 entwickelt und spürt die Bakterien nur bei der Hälfte aller Erkrankten auf. Bei Kindern und HIV-Positiven sind die Ergebnisse noch schlechter. Dies ist besonders alarmierend, zumal die Hälfte der HIV-Positiven in ärmeren Ländern an Tuberkulose erkranken.

Die Behandlung von Tuberkulose dauert lange und basiert auf Medikamenten, die vor 40-60 Jahren entwickelt wurden. In Guinea und vielen anderen Ländern sehen die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen regelmäßig Patienten, die bereits eine TB-Behandlung erhalten haben und ein oder zwei Jahre später erneut ähnliche Symptome entwickeln. Diese Menschen könnten sich erneut infiziert oder bereits eine multiresistente Form der TB entwickelt haben. In vielen ärmeren Ländern fehlen aber die entsprechenden Tests, um die Medikamentenresistenz zu bestimmen. Ärzte ohne Grenzen zufolge ist die Kombination von multiresistenter TB und HIV/Aids eine medizinische Zeitbombe für die Menschen in Afrika.

"Wir müssen uns endlich eingestehen, dass wir TB niemals kontrollieren werden, wenn wir so weitermachen wie bisher. Wir müssen dringend und massiv in neue Diagnosetests und Medikamente investieren. Nur dann können wir die Patienten wirksam in kurzer Zeit behandeln", sagte Francine Mattys, Tuberkulose-Expertin der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.

Ärzte ohne Grenzen begrüßt, dass neue TB-Medikamente und Diagnosetests von Initiativen wie "Global TB Alliance" und der "Foundation for Innovative New Diagnostics" entwickelt werden. Doch nach Ansicht der Organisation genügen diese Anstrengungen keinesfalls und müssen weiter verstärkt werden. Ärzte ohne Grenzen behandelt jährlich rund 20.000 Tuberkulose-Patienten in mehr als 30 Projekten weltweit.

Weitere Informationen: Pressestelle, Petra Meyer, Christiane Löll, Tel: 030-22 33 77 00