Tschad

Ärzte ohne Grenzen reagiert auf Meningitisausbruch im südlichen Tschad

N'Djamena/Brüssel, 16. März 2005. Ärzte ohne Grenzen hat nach einem neuen Meningitisausbruch eine Impfkampagne im Distrikt Bongor im Tschad gestartet. Im Zuge der Kampagne, die auf einen Monat angesetzt ist, sollen zur Vorbeugung alle Menschen im Alter von sechs Monaten bis zu 30 Jahren geimpft werden. Dies sind 72 Prozent der Gesamtbevölkerung der Region, die 272.000 Menschen umfasst.

Tschad liegt im so genannten Meningitisgürtel südlich der Sahara. In diesem Gebiet treten regelmäßig Epidemien auf, die große Bevölkerungsgruppen betreffen und gewöhnlich den Eingriff von Spezialistenteams wie denen von Ärzte ohne Grenzen erfordern. Anfang März traten die ersten Fälle in dem Distrikt auf, der 250 Kilometer südlich der Hauptstadt N’Djamena liegt.

Ärzte ohne Grenzen ist im Bongor-Distrikt in einem Malariaprojekt tätig und unterstützt ein Trainingszentrum für Chirurgen und Anästhesisten.

"In dieser Region gibt es alle drei oder vier Jahre Meningitisausbrüche. Da der letzte 2001 war, haben wir 98.000 Impfdosen von einer früheren Kampagne aufgehoben. Wir erwarten außerdem 25 Kubikmeter Impfmaterial, inklusive 200.000 zusätzliche Impfdosen", ergänzt Michel Quéré.

Meningitis kann bei bis zu 80 Prozent der Patienten tödlich verlaufen, wenn sie nicht behandelt wird. Es handelt sich um eine Entzündung der Meningen, das heißt der Häute, die das Gehirn und das Rückenmark wie einen Mantel umgeben. Die Krankheit kann von einer Vielzahl von Keimen verursacht werden, sowohl durch Viren als auch durch Bakterien. Die gefährlichste Form wird durch Meningokokken hervorgerufen, von denen es mehrere Typen gibt. Die aktuelle Impfkampagne zielt darauf ab, die Bevölkerung vor Meningokokken der Typen A und C zu schützen, den beiden Arten, die bei diesem Ausbruch gefunden wurden.

Durchschnittlich sind drei bis vier Tage erforderlich, um die Bewohner eines Bezirks zu impfen. Mobile Teams mit Fahrzeugen stellen die Impfung in den entfernten ländlichen Gebieten sicher. Der Rest der Bevölkerung in Dörfern und städtischen Gebieten wird durch öffentliche Ankündigungen dazu aufgefordert, zu den Gesundheitszentren oder Impfstationen zu kommen, die von den Teams eingerichtet wurden.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen werden zunächst in Zusammenarbeit mit den lokalen Gesundheitsbehörden in Moulkou, Magao und der Stadt Bongor und deren Umland Bongor Sieke arbeiten. "Wir haben diese Gebiete als die Dringlichsten ermittelt, denn sie sind am schlimmsten betroffen", erklärt Michel Quéré, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen im Tschad. "In der nächsten Phase werden wir die restliche Bevölkerung in den 18 Bezirken des Distrikts impfen."

Weitere Informationen: Pressestelle, Stephan Große Rüschkamp, Tel: 030-22337700