Sudan

Ärzte ohne Grenzen protestiert scharf gegen Ausweisung von Teams aus Darfur - Mehr als 400.000 Patienten ohne medizinische Versorgung

Khartum/Berlin, 5. März 2009. Ärzte ohne Grenzen hat nach Anweisung durch die sudanesische Regierung mittlerweile fünf Projekte in der Krisenregion Darfur einstellen müssen. Am Donnerstag wurde die französische Sektion der internationalen Hilfsorganisation aus zwei Projekten in Westdarfur ausgewiesen. Die holländische Sektion musste bereits am Mittwoch drei Projekte in Süddarfur schließen. Ärzte ohne Grenzen ist sehr  besorgt über diese Entwicklungen, da mehr als 400.000 Patienten ohne medizinische Versorgung zurückgelassen werden. Die Organisation ruft die sudanesischen Behörden dazu auf, die Entscheidung zurückzuziehen und die Menschen in Darfur nicht zu Geiseln ihrer politischen und juristischen Agenda zu machen.

Etwa 50 internationale und knapp 1.000 nationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenze mussten ihre Arbeit in Darfur bislang einstellen. Vor dem erzwungenen Abzug leisteten insgesamt mehr als 100 internationale und rund 1.600 lokale Mitarbeiter lebensnotwendige medizinische Hilfe für Hunderttausende Menschen. Die verbleibenden Mitarbeiter helfen weiter in zwei Projekten in Westdarfur sowie in fünf Projekten in Norddarfur.

"Ärzte ohne Grenzen aus Darfur auszuweisen, ist eine dramatische Entwicklung der Ereignisse, die noch nie da gewesene Folgen für die Bevölkerung dieser Region haben wird. Ein  Großteil der Bewohner Darfurs ist völlig von internationaler humanitärer Hilfe abhängig", sagte Christophe Fournier, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen. "Der plötzliche Stopp unserer medizinischen Projekte, darunter lebensrettende chirurgische sowie Ernährungs- und Basisgesundheitsprogramme in weiten Teilen Darfurs, wird sofortige und verheerende Folgen für die Bevölkerung haben."

Durch die Ausweisung zahlreicher Hilfsorganisationen können große Lücken in der Versorgung der Bevölkerung entstehen, die durch keine verbleibende Organisation gefüllt werden können. Die Grundbedürfnisse von Hunderttausenden Menschen - ob sie nun die medizinische Versorgung, Ernährung, Wasser oder sanitäre Fragen betreffen - werden nun unerfüllt bleiben. Ausbrüche von Meningitis in Kalma Camp und Niertiti - wo mehr als 100.000 Menschen dringend eine Impfung benötigen - drohen unbeantwortet zu bleiben.

"Die Möglichkeit, in Darfur unabhängige humanitäre Hilfe zu leisten, nahm bereits im vergangenen Jahr drastisch ab", so Fournier weiter. "Doch die jüngsten Schritte der Regierung des Sudans drohen, die humanitäre Hilfe für Vertriebene und lokale Einwohner in weiten Teilen Darfurs komplett abzuschneiden. Die Bedürfnisse der Bevölkerung werden politischen und juristischen Zielen geopfert, was vollkommen inakzeptabel ist. Wir appellieren an die Regierung, ihre Entscheidung zu revidieren und unabhängige und unparteiische Hilfe für die Menschen in Darfur zuzulassen."

Ärzte ohne Grenzen ist vollkommen unabhängig vom Internationalen Strafgerichtshof und kooperiert weder mit diesem, noch stellt die Organisation für ihn Informationen bereit.