Ärzte ohne Grenzen: Positive Spendenbilanz für 2002 - Dramatische humanitäre Lage im Kaukasus

Berlin, 18. Juli 2003. Die deutsche Sektion von Ärzte ohne Grenzen hat nach eigenen Angaben im Jahr 2002 Einnahmen in Höhe von 17,3 Millionen Euro erzielt. Dies teilte die Organisation auf ihrer Jahrespressekonferenz am Freitag in Berlin mit. Vorstandsvorsitzender Stefan Krieger wertete dieses Ergebnis positiv, da die Einnahmen trotz Elbeflut stabilisiert werden konnten. Große Sorge bereitet Ärzte ohne Grenzen derzeit die humanitäre Situation im Kaukasus, wo humanitäre Organisationen aufgrund der schlechten Sicherheitslage nur eingeschränkt arbeiten können. Die Organisation appellierte erneut an den russischen Präsidenten Putin, sich für die sofortige Freilassung des seit fast einem Jahr entführten niederländischen Mitarbeiters Arjan Erkel einzusetzen.

In Inguschetien werden die Vertriebenen zunehmend unter Druck gesetzt, in ihre Heimat zurückzukehren. "Die Menschen haben keine Wahl", so von Pilar. "In Inguschetien wird die humanitäre Hilfe gekürzt, Gas und Wasser werden oft abgestellt, verrottete Zelte dürfen nicht ersetzt werden. Gleichzeitig herrscht in Tschetschenien weiterhin Gewalt und Zerstörung." Einer Studie von Ärzte ohne Grenzen zufolge wollen 98 Prozent derjenigen Vertriebenen, die in Zelten untergebracht sind, nicht nach Tschetschenien zurück, weil sie dort um ihr Leben fürchten.

Die Entführung des Mitarbeiters Arjan Erkel im letzten Jahr hat dazu geführt, dass Ärzte ohne Grenzen alle Projekte in Dagestan eingestellt hat und die Aktivitäten in Tschetschenien auf ein Minimum reduzieren musste. Die Geschäftsführerin der deutschen Sektion, Ulrike von Pilar, beklagte, dass die dringend notwendige humanitäre Hilfe in Tschetschenien aus Sicherheitsgründen fast völlig zum Erliegen gekommen ist. In Inguschetien, wo noch immer Zehntausende tschetschenische Vertriebene leben, erschweren die Behörden durch bürokratische Auflagen die Arbeit der Hilfsorganisationen.

Obwohl sich die Spendenbereitschaft der Deutschen 2002 vor allem auf die Elbe-Flutkatastrophe konzentrierte, hat Ärzte ohne Grenzen keine Einbußen für Auslandsprojekte zu verzeichnen. Von den Einnahmen in Höhe von 17,3 Millionen Euro entfallen 16,6 Millionen Euro auf private Spenden und Zuwendungen (2001: 16,9 Mio Euro). Die deutsche Sektion hat Projekte in 45 Ländern finanziert, wobei der Schwerpunkt auf Afrika liegt. Insgesamt wurden 119 Mitarbeiter auf 151 Stellen vermittelt. "Wir wünschen uns, dass deutsche Chefärzte künftig noch mehr Ärzten einen humanitären Einsatz ermöglichen", sagte der Chirurg und Vorstandsvorsitzender Krieger. Dies könne durch Teilzeitverträge oder Freistellungen erreicht werden.

Die Organisation fordert alle Konfliktparteien auf, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und den Hilfsorganisationen unabhängigen Zugang zu ermöglichen.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Petra Meyer, Tel.: 030-22 33 77 00