Italien

Ärzte ohne Grenzen muss nach sechs Jahren Flüchtlingsprojekt auf der italienischen Insel Lampedusa schließen

Berlin/Lampedusa, 31. Oktober 2008. Ärzte ohne Grenzen hat heute das Hilfsprogramm für afrikanische Bootsflüchtlinge im Hafen der italienischen Insel Lampedusa schließen müssen. Das italienische Innenministerium hatte sich geweigert, ein neue Vereinbarung zwischen Behörden und Organisation zu unterzeichen, die für die Fortführung der Arbeit nötig gewesen wäre. Ärzte ohne Grenzen bot afrikanischen Bootsflüchtlingen auf der südlich von Sizilien gelegenen Insel seit 2002 kostenlos medizinische Untersuchungen an.

Auf Lampedusa sind allein in diesem Jahr mehr als 20.000 Flüchtlinge angekommen. Teams von Ärzte ohne Grenzen haben seit 2005 insgesamt 4.550 Migranten untersucht, 1.420 davon allein von Januar bis Oktober diesen Jahres. Die italienischen Behörden bieten den Ankommenden bislang keine medizinische Versorgung. Die Hilfe durch Ärzte ohne Grenzen ist daher unerlässlich.

"Es ist inakzeptabel, dass wir praktisch gezwungen werden, unsere medizinische und humanitäre Hilfe in einem Europäischen Staat zu beenden", sagt Loris de Filippi, Projektkoordinator für Ärzte ohne Grenzen in Italien. "Ärzte ohne Grenzen arbeitet und hilft weltweit in vielen verschiedenen Kontexten und zum Teil unter sehr schwierigen und angespannten Bedingungen."

Die Organisation ist besorgt über den Mangel an medizinischer Hilfe im Hafen von Lampedusa. Im Laufe der Jahre haben Mitarbeiter bei den Migranten einen Anstieg der Erkrankungen beobachtet. Wegen der widrigen Bedingungen bei der Überfahrt leiden sie häufig unter Schock, Unterkühlung oder Hautverbrennungen.

Im Vergleich zu den Vorjahren erreichen auch mehr Menschen aus Kriegsgebieten oder Ländern, die von Trockenheiten betroffen sind, Lampedusa. 30 Prozent der Flüchtlinge kommen aus Somalia, Eritrea, dem Sudan oder Äthiopien. Gestiegen ist auch die Zahl der Frauen (12%) und Kinder (8%) unter den Ankommenden, ebenso wir die Zahl der Schwangeren. Allein seit Jahresbeginn haben die Mitarbeiter 151 Schwangere gezählt.

Den Migranten, die im Hafen von Lampedusa ankommen, muss eine adäquate Gesundheitsversorgung garantiert werden. Ärzte ohne Grenzen fordert die italienische Regierung auf, die Entscheidung über die Vereinbarung noch einmal zu überdenken und der Organisation die Wiederaufnahme des Programms zu ermöglichen.

Ärzte ohne Grenzen versorgt in Italien, Malta und Griechenland Migranten, die an den südlichen Küsten der Europäischen Union ankommen.

Kontakt: Pressestelle, Christiane Winje, Svenja Kühnel, 030 - 22 33 77 00