Zentralafrikanische Republik

Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Nothilfe in der Zentralafrikanischen Republik

Bangui/Berlin, 24. Februar 2003. Nach dem Putschversuch im Oktober 2002 gab es für Hilfsorganisationen drei Monate lang keine Möglichkeit, Zugang zu der Bevölkerung im Norden der Zentralafrikanischen Republik zu erhalten. Das Gebiet wird von den Rebellen unter der Führung des ehemaligen Generals François Bozizé kontrolliert. Ärzte ohne Grenzen ist die erste internationale Hilfsorganisation, die dort jetzt Hilfe leistet.

Nach mehreren Erkundungen im Norden der Zentralafrikanischen Republik im Januar 2003 hat Ärzte ohne Grenzen jetzt mit der medizinischen Versorgung der Bevölkerung begonnen. Die Menschen waren dort seit dem Beginn der Auseinandersetzungen zwischen den Rebellen und der Regierungsarmee von jeglicher humanitären Hilfe abgeschnitten.

In der Hauptstadt Bangui werden im Rahmen eines bereits existierenden Programms zur medizinischen Betreuung von Schwangeren und Müttern etwa 3.000 Frauen versorgt. Sie sind aus verschiedenen Teilen des Landes nach Bangui gekommen. Viele von ihnen sind Opfer sexueller Gewalt.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik auch im Süden des Landes, in Städten wie Bossembelé und Damara Raquel Ayora, Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, berichtet: "Viele Menschen verstecken sich in den Wäldern. Diejenigen, die medizinische Hilfe brauchen und in unser Gesundheitszentrum kommen, sind verängstigt und schwach. Wir sind sehr besorgt darüber, dass sich ihr Gesundheitszustand stark verschlechtern wird."

Seit dem Ausbruch des Konflikts gibt es in vielen Teilen des Landes keinerlei Gesundheitsversorgung mehr für die Menschen. Durch die komplette Isolierung der Gebiete im Norden und Osten des Landes wurde die Zufuhr von medizinischen wie anderen lebenswichtigen Gütern unterbrochen. Hinzu kommt, dass sich die Gesundheitsstrukturen des Landes bereits seit längerer Zeit in einem Zustand des Verfalls befinden. Ursache hierfür ist die immer wieder angespannte Lage im Land. Erst im Mai 2001 hatte es den letzten Putschversuch gegeben. Unter den Menschen, die vor diesen Auseinandersetzungen fliehen, sind auch viele Mitarbeiter der Gesundheitsstrukturen. Zudem werden in den umkämpften Gebieten medizinische Einrichtungen regelmäßig ausgeplündert.

Die Projektarbeit wurde in dem Gebiet zwischen den Städten Kabo, Bosangoa und Dekoa aufgenommen, wo die medizinische Versorgung etwa 300.000 Menschen erreichen kann. Sie soll all jenen zugute kommen, die von den Auswirkungen des militärischen Konflikts betroffen sind. Die mobilen Teams von Ärzte ohne Grenzen stehen für Konsultationen in den noch vorhandenen lokalen Gesundheitseinrichtungen dieser Städte zur Verfügung und bauen ein epidemologisches Überwachungssystem auf. Auf diese Weise soll schnell auf den möglichen Ausbruch von Epidemien reagiert werden können. Zudem wird geprüft, ob ein chirurgisches Notfallteam notwendig ist.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Petra Meyer, Gaby Frank, Tel.: 030-22 33 77 00