Sudan

Ärzte ohne Grenzen kritisiert Kriegsparteien im Sudan: Angriffe auf Zivilisten fordern extrem viele Todesopfer

Nairobi/Berlin, 29. April 2002. In einem heute veröffentlichten Bericht macht die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen alle Konfliktparteien im Sudan für die hohe Zahl der Todesfälle unter der Zivilbevölkerung in der südwestlichen Provinz Western Upper Nile (WUN) verantwortlich. Seit 1997 hat sich der Konflikt in dieser ölreichen Region intensiviert. Ärzte ohne Grenzen zufolge greifen alle Kriegsfraktionen zunehmend Zivilisten und medizinische Einrichtungen an.

In den letzten drei Monaten mussten die Teams von Ärzte ohne Grenzen aufgrund der angespannten Sicherheitslage drei Projekte verlassen. Die Kriegshandlungen haben Berichten zufolge derzeit wieder zugenommen. Außer in der von der Regierung kontrollierten Stadt Bentiu gibt es derzeit allerdings keine humanitäre Organisation in Western Upper Nile.

Bei jeder erzwungenen Evakuierung der Teams müssen Patienten ohne Behandlungsmöglichkeit zurückgelassen werden. Insbesondere die Tropenkrankheit Kala Azar, die von der Sandfliege übertragen wird und ohne Behandlung tödlich verläuft, hat bereits viele Todesopfer gefordert. In den vergangenen Jahren sollen mindestens 100.000 Menschen in WUN daran gestorben sein.

"Tausende sind bereits an Krankheiten gestorben, die wir eigentlich heilen könnten. Die Bedürfnisse sind immens, aber es gibt kaum humanitäre Hilfe vor Ort, und die Angriffe auf medizinisches Personal und Kliniken verhindern jegliche Versorgung", so Arjan Hehenkamp, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen.

Ärzte ohne Grenzen fordert die sudanesische Regierung, die Rebellenorganisation SPLA sowie Milizen auf, alle Angriffe auf Zivilisten, medizinisches Personal und medizinische Einrichtungen zu stoppen. Die Organisation fordert auch eine sofortige Aufhebung des jüngsten durch die Regierung verhängten Flugverbots und verlangt Zugang zu den Regionen, in denen die Bevölkerung Hilfe benötigt.

Der Bericht zeigt auf, dass alle Kriegsparteien Gewalt gegen Zivilisten einsetzen. Mord, Vergewaltigung und Überfälle sowie die Verweigerung des Zugangs zu humanitärer Hilfe gehören heute zur Kriegstaktik und führen zu enorm hohen Todeszahlen. Die erdölreiche Region Western Upper Nile wurde in den letzten vier Jahren zum Zentrum des seit 19 Jahren schwelenden Bürgerkrieges.

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle,
Petra Meyer, Kattrin Lempp, Tel.: 030-22 33 77 00