Italien

Ärzte ohne Grenzen: Hygienische Bedingungen für Migranten auf Lampedusa inakzeptabel

Rom/Berlin, 1. April 2011. Die hygienischen und sanitären Bedingungen für die Migranten auf der italienischen Insel Lampedusa sind nach Einschätzung der Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen inakzeptabel. Die Hilfsorganisation, die seit Mitte Februar Neuankömmlinge betreut, fordert die italienischen Behörden auf, den Migranten eine angemessene Unterstützung zukommen zu lassen.

Derzeit müssen sich am Hafen von Lampedusa 3.000 Personen 16 Toiletten teilen. Für sie stehen nur zwei Wassertanks bereit. Die Behörden stellen lediglich eineinhalb Liter Wasser pro Tag und Person zur Verfügung. Diese sanitären Bedingungen liegen weit unterhalb der humanitären Standards, die pro Tag und Person 20 Liter Wasser sowie eine Toilette für 20 Personen vorsehen. „Es ist kaum zu glauben, dass das in Italien passiert – in einem G8-Land! Die Lebensbedingungen auf der Insel sind schlimmer als jene in Flüchtlingslagern auf der ganzen Welt, in denen Ärzte ohne Grenzen im Einsatz ist“ erklärt Kostas Moschochoritis, Geschäftsführer der italienischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen.

Seit dem 14. Februar leistet Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit lokalen Behörden medizinische Hilfe für ankommende Migranten und Asylbewerber. Das medizinische Team betreibt eine mobile Klink, in der sie Neuankömmlinge untersucht. Nach den Umwälzungen und den gewaltsamen Zusammenstößen in der arabischen Welt sind über 18.000 Menschen auf Lampedusa gelandet.

Die italienische Regierung bringt die Migranten derzeit per Schiff in Aufnahmelager in Apulien, Sizilien und anderen Regionen Italiens. Ärzte ohne Grenzen ist über die hygienischen Bedingungen auf der Insel und in den möglicherweise überfüllten Lagern besorgt. „Die schlechten hygienischen Bedingungen können das Entstehen von Infektionskrankheiten begünstigen. Für bessere Aufnahmebedingungen und einen besseren Zugang zu medizinischer Behandlung in den Zentren muss gesorgt werden“, erklärt Barbara Maccagno, die für die medizinischen Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Italien verantwortlich ist.

„Die Mehrheit der Migranten in den letzten Tagen waren Menschen, die aus Tunesien kamen, aber wir haben auch Flüchtlinge aus Libyen gesehen. Diese kommen ursprünglich aus Eritrea, Somalia, Gambia, Nigeria und dem Sudan. Um diese Menschen sorgen wir uns ganz besonders, denn sie haben eine längere und gefährlichere Überfahrt hinter sich“, so Maccagno.

In den kommenden Tagen wird Ärzte ohne Grenzen mehr als 2.500 Hygiene-Kits mit Decken, Seife und Handtüchern an die obdachlosen Migranten im Hafen verteilen. Ohne entsprechende sanitäre Anlagen ist das aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Diese Aufnahmebedingungen sind inakzeptabel und dürfen nicht andauern, denn sie verletzen die Würde dieser Menschen“, erklärt Moschochoritis.

Der Einsatz von Ärzte ohne Grenzen auf Lampedusa wird aus privaten Spenden finanziert. Die Organisation erhält dafür keine Gelder von der italienischen Regierung. Ärzte ohne Grenzen war bereits von 2002 und 2009 auf Lampedusa tätig, um Migranten medizinische Hilfe zu leisten.

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