Afghanistan

Ärzte ohne Grenzen: Humanitäre Hilfe in Afghanistan darf nicht länger für militärische Ziele missbraucht werden

Kabul/Berlin, 4. Dezember 2011. Anlässlich der Petersberg-Konferenz in Bonn ruft die medizinische Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen alle Konfliktparteien in Afghanistan auf, humanitäre Hilfe nicht als Teil einer militärisch-politischen Strategie zu missbrauchen. Unabhängige und unparteiische Hilfe für die vom Krieg betroffene Bevölkerung darf nicht untergraben werden. 

In Afghanistan herrscht Krieg. Ärzte ohne Grenzen weist darauf hin, dass die Bundeswehr und die Bundesregierung als Konfliktparteien dafür Verantwortung tragen, dass unparteiische humanitäre Hilfe die Menschen in Not erreicht.

„Ärzte ohne Grenzen leistet in Afghanistan unabhängig von jeder Konfliktpartei und von jeglichen Regierungsgeldern medizinische Hilfe für Menschen in Not“, erklärt Frank Dörner, Geschäftsführer der Organisation in Deutschland. „Unsere Arbeit wird aber erschwert dadurch, dass Militär und Politik in den vergangenen Jahren versucht haben, humanitäre Hilfe als Komponente ihrer militärischen Strategie zu missbrauchen. Darunter leiden am Ende die Patienten.“

Humanitäre Organisationen wurden von NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen im vergangenen Jahr als „weiche Komponente“ des NATO-Einsatzes bezeichnet, und Angehörige der Bundeswehr beschreiben sich als Wegbereiter und Informationsbeschaffer für Nichtregierungsorganisationen.

In Afghanistan gibt es eine dringende Notwendigkeit für unparteiische und unabhängige medizinische Hilfe. Nach Ansicht von Ärzte ohne Grenzen wird das auf absehbare Zeit auch so bleiben. Die Hilfe muss sich ausschließlich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und nicht an militärisch-politischen Zielen. Ihr Erfolg sollte allein nach medizinischen Kriterien beurteilt werden.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1980 in Afghanistan tätig. Derzeit arbeiten Teams in Krankenhäusern in Kabul und Lashkargah, der Hauptstadt der Provinz Helmand. In Kundus hat die Organisation im August eine chirurgische Klinik eröffnet. Ärzte ohne Grenzen beschäftigt insgesamt etwa 1.000 Mitarbeiter in Afghanistan. In den Krankenhäusern herrscht ein striktes Waffenverbot, es gibt weder bewaffnetes Wachpersonal noch bewaffnete Eskorten. Ärzte ohne Grenzen akzeptiert keinerlei Regierungsgelder für die Projekte in Afghanistan. Sie werden ausschließlich aus privaten Spenden finanziert.

Frank Doerner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen, war vor kurzem in Afghanistan und steht gerne für Interviews zur Verfügung.