Simbabwe

Ärzte ohne Grenzen fordert umgehenden Abschiebestopp von Flüchtlingen aus Simbabwe

Berlin/Johannesburg, 28. Juni 2008. Ärzte ohne Grenzen ist alarmiert über die Abschiebung von rund 500 simbabwischen Flüchtlingen aus einem Lager im südafrikanischen Ort Musina. Unter den Campbewohnern waren auch Frauen und Kinder. "Hunderte Menschen sind ohne Anerkennung ihres Rechts auf Asyl in das Land zurückgeschickt worden, aus dem sie geflüchtet sind", sagt Rachel Cohen, Landeskoordinatorin in Südafrika. Die internationale Hilfsorganisation fordert den sofortigen Stopp der Rückführungen von Simbabwern und angemessene Aufnahmeeinrichtungen in Südafrika, in denen die Flüchtlinge Schutz und Hilfe erhalten.

In dem Lager in Musina waren vergangenen Freitag noch rund 400 Männer, 50 Frauen und 50 Kinder untergebracht. Das waren fast drei Mal so viele wie dort normalerweise leben. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen hatte sich an diesem Tag ein Bild von den dringendsten medizinischen Bedürfnisse der Lagerbewohner gemacht. Als die Mitarbeiter am Samstagmorgen mit Hilfsmaterialien zurückkehrten, um die Menschen zu versorgen, war das Lager leer. Die Behörden bestätigten, dass alle Bewohner zurück nach Simbabwe gebracht worden sind.

"Abschiebungen gibt es in Südafrika jeden Tag", erklärt Cohen. "Während des Wahlkampfes in Simbabwe wurden sie anscheinend ausgesetzt. Wir sind schockiert, dass die Behörden diese inakzeptable Praxis nun wieder aufgenommen haben. Sie verletzen damit internationales und südafrikanisches Gesetz. Dieses garantiert das Recht, um Asyl zu bitten und Zugang zu benötigter Hilfe zu erhalten."

Ärzte ohne Grenzen fordert von der südafrikanischen Regierung, das Recht der Simbabwer anzuerkennen, Sicherheit in Südafrika zu suchen. Die Behörden sollten für die Flüchtlinge angemessene Orte zur Verfügung stellen, in denen sie sicher sind, ausreichend Hilfe erhalten und nicht riskieren, abgeschoben zu werden.

"Wir rufen außerdem andere internationale Akteure auf, im größeren Maßstab umfangreich Sicherheit und Hilfe zu gewährleisten", so Cohen. "Behörden der Vereinten Nationen wie das UNHCR, die das Mandat haben, zu schützen und zu helfen, müssen die Situation der nach Südafrika Flüchtenden prüfen und Menschen aus Simbabwe bei der Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus unterstützen."

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1999 in Südafrika. Die Teams versorgen Tuberkulose- und HIV/Aids-Patienten in Kapstadt, Khayelitsha und Lusikisiki, in der Provinz Eastern Cape. Seit Dezember 2007 unterstützt Ärzte ohne Grenzen aus Simbabwe Geflüchtete in Johannesburg und Musina. Nach den aktuellen Gewaltausbrüchen und Angriffen auf Menschen anderer Nationalitäten haben Mitarbeiter Betroffene in Kapstadt, Johannesburg und Pretoria versorgt.

Weitere Informationen: Pressestelle, Svenja Kühnel , Tel: 030-22 33 77 00