Tschad / Kamerun

Ärzte ohne Grenzen fordert sofortige Hilfe für Zehntausende Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik – seit fünf Wochen keine Nahrung

N´Djamena/Jaunde/Berlin, 28. Februar. Zehntausende Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik benötigen dringend Hilfe. In einer Grenzstadt im Süden des Tschad haben mehr als 13.000 Menschen seit fünf Wochen keine Nahrungsmittelhilfe erhalten. „Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen und die tschadischen Behörden müssen sofort Lebensmittel an diese notleidenden Menschen verteilen“, erklärt Sarah Chateau, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. In Kamerun, wohin etwa 22.000 Menschen geflohen sind, leben ebenfalls Tausende ohne ausreichende Trinkwasser- und Nahrungsversorgung.

Im Tschad leben Flüchtlinge in der Grenzstadt Sido unter äußerst prekären Lebensbedingungen in notdürftig zusammengebauten Zelten oder unter Bäumen. Es gibt für 13.000 Menschen nur 20 Latrinen und vier Wasserstellen. Die einzige Nahrungsmittelverteilung des UN-Welternährungsprogramms in Sido fand am 20. Januar statt. „Seitdem sind 8.000 Flüchtlinge angekommen, die nichts zu essen bekommen haben - außer ein paar nährstoffreichen Keksen, die aber nur für wenige gereicht haben“, sagt Projektleiter Augustin Ngoyi.

Fast 30 Prozent aller Patienten im Gesundheitszentrum von Ärzte ohne Grenzen sind an Malaria erkrankt. Die Mitarbeiter der Organisation haben in nur 16 Tagen 56 schwer mangelernährte Kinder behandelt, die dringend medizinische Hilfe und Spezialnahrung benötigten.
Die Menschen haben eine kräftezehrende Flucht in Konvois hinter sich. Auf die meisten dieser Transporte hatte es auf dem Weg durch die Zentralafrikanische Republik Angriffe gegeben. Ende Dezember 2013 hatte die tschadische Regierung damit begonnen, in großem Umfang Bewohner der Zentralafrikanischen Republik, die dort massiver Gewalt ausgesetzt waren, in den Tschad zu bringen.

In Kamerun leben ebenfalls tausende Flüchtlinge im kleinen Grenzort Garoua-Boulaï unter Bäumen und sind für Nahrung und Bekleidung völlig auf die Solidarität der einheimischen Bevölkerung angewiesen. „Die Flüchtlinge leben unter unzumutbaren Bedingungen“, sagt Jon Irwin, der Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kamerun.

Ärzte ohne Grenzen hat in Garoua-Boulaï einen Gesundheitsposten eingerichtet und unterstützt das Distriktkrankenhaus. Dort behandelt die Organisation pro Woche rund 800 Patienten. Jedes fünfte Kind leidet an Mangelernährung. Neben der medizinischen Versorgung bauen Teams auch Latrinen und Duschen, stellen die Trinkwasserversorgung sicher und verteilen Decken und Seife. Auch im Übergangslager in Mborguéné, 45 Kilometer von Garoua-Boulaï entfernt, hat die Organisation ein Gesundheitszentrum für 10.000 Flüchtlinge eingerichtet. Entlang der Grenze behandelt ein mobiles Team Neuankömmlinge.

Ärzte ohne Grenzen leistet an 16 Standorten in der Zentralafrikanischen Republik medizinische Hilfe. Daneben versorgen Teams der Organisation Flüchtlinge in den Nachbarländern Tschad, Kamerun, in der Republik Kongo sowie der Demokratischen Republik Kongo.