Ärzte ohne Grenzen fordert Präsident Putin auf, sich für die Freilassung ihres entführten Mitarbeiters einzusetzen

Moskau/Berlin, 2. April 2003. Genau 232 Tage nach der Entführung ihres Mitarbeiters Arjan Erkel in Dagestan fordert die internationale Organisation Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit mehr als 300.000 Menschen den russischen Präsidenten Vladimir Putin dazu auf, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Erkels sofortige Freilassung zu bewirken. Am Mittwoch übergab die Organisation mehr als 300.000 Unterschriften an das Büro des russischen Präsidenten in Moskau. Auch in Berlin, Genf, Den Haag und anderen Städten wurden in den Vertretungen der russischen Regierung Kopien der Unterschriften überreicht.

Seit der Entführung von Arjan Erkel am 12. August 2002 in der dagestanischen Hauptstadt Makhachkala fehlt von dem 33-jährigen Projektleiter noch immer jede Spur. Ärzte ohne Grenzen hat den Eindruck, dass einheimische Ermittler, die mit der Aufklärung des Falls befasst sind, unüberbrückbaren Hindernissen gegenüberstehen, die eine Befreiung Arjan Erkels verhindern. Ärzte ohne Grenzen ist gleichzeitig davon überzeugt, dass hochrangige Autoritäten, die mit dem Fall betraut sind, bisher noch nicht das notwendige Engagement gezeigt haben, um ihn zu lösen.

Bis Arjan Erkel wieder frei ist, wird Ärzte ohne Grenzen weiterhin Unterschriften sammeln und von den russischen Behörden fordern, dass sie ihrer Verantwortung nachkommen und sich für seine unversehrte Freilassung mit aller Kraft einsetzen.

Arjan Erkel, der als Projektleiter in Dagestan tätig war, hat seine Arbeit ganz der Unterstützung der hilfsbedürftigen Zivilbevölkerung gewidmet. Leider ist sein Schicksal kein Einzelfall. In den vergangenen Monaten sind humanitäre Organisationen im Nordkaukasus vermehrt zur Zielscheibe für Drohungen, Gewalt und Entführungen geworden.

"Es ist völlig inakzeptabel, dass alle Anfragen für ein Treffen mit Mitarbeitern des Büros des russischen Präsidenten bisher zurückgewiesen wurden", sagte Rafael Vilasanjuan, Sekretär des Internationalen Rates von Ärzte ohne Grenzen. "Der Mangel an politischem Willen, diesen Fall zu lösen, lässt uns keine andere Wahl, als uns mit unseren Forderungen direkt an Präsident Putin zu wenden. Ärzte ohne Grenzen sowie mehr als 300.000 Menschen glauben, dass er den Einfluss hat, die sichere Freilassung unseres Kollegen zu bewirken. Wir hoffen aufrichtig, dass er diesen Einfluss nutzen wird."

Weitere Informationen: Ärzte ohne Grenzen, Pressestelle, Kattrin Lempp, Anke Stockdreher, Tel.: 030-22 33 77 00