Ärzte ohne Grenzen: Bundesregierung muss verlässlichen Beitrag zur Aids-Bekämpfung leisten

Berlin, 21. November 2011. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert die Bundesregierung anlässlich des neuen Aids-Berichts der Vereinten Nationen auf, einen verlässlichen Beitrag zur Bekämpfung von HIV/Aids zu leisten. "Der Bericht zeigt, dass mehr HIV-Infizierte vor dem Tod bewahrt werden konnten. Das ist ein großer Fortschritt. Aber die Behandlung von HIV-Patienten muss dramatisch ausgeweitet werden, um Menschenleben zu retten und Neuinfektionen einzudämmen", erklärt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. Die Organisation fordert die Bundesregierung auf, sich an der kürzlich vorgestellten Initiative der US-amerikanischen Regierung zur Aids-Bekämpfung zu beteiligen und ihre finanziellen Zusagen für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria einzuhalten.

Die Bundesregierung lässt bisher offen, ob sie die zugesagten Beiträge an den Globalen Fonds für die Jahre 2012 und 2013 auszahlen wird. Der Fonds hat schon jetzt so hohe Finanzierungslücken, dass er erstmals gezwungen ist, die Finanzierung von neuen Projekten um ein Jahr zu verschieben. Ärzte ohne Grenzen beobachtet, dass sogar bestehende Behandlungsprogramme in Ländern wie Simbabwe, Mosambik und der Demokratischen Republik Kongo von Kürzungen bedroht sind. Der Fonds versorgt 3,2 Millionen Menschen mit lebensrettenden HIV/ Aids-Medikamenten und ist damit einer der wichtigsten Akteure im Kampf gegen die Epidemie. Der Vorstand des Globalen Fonds trifft sich ab heute im ghanaischen Accra.

Vergangene Woche erklärte US-Außenministerin Hillary Clinton eine "Generation ohne Aids" zum Ziel der USA. Sie bezog sich dabei auf neue Forschungsergebnisse, nach denen es bei einer frühzeitig begonnenen Behandlung um bis zu 96 Prozent weniger wahrscheinlich ist, dass die Infizierten das Virus weitergeben. Die Behandlung zahle sich doppelt aus. Sie rette den Einzelnen und schütze andere vor der Infektion.

"Noch nie in mehr als einem Jahrzehnt der Aids-Behandlung war es aussichtsreicher, den Umschwung zu schaffen", erklärt Tido von Schoen-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Die Regierungen in einigen der am schlimmsten betroffenen Länder wollen die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse nutzen, um den Trend bei der Ausbreitung der Aids-Epidemie umzukehren. Aber ohne Geld ist das alles nichts wert."

Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 170.000 HIV-infizierte Patienten in 19 Ländern mit lebensverlängernden Medikamenten. In Südafrika hat die Organisation ein Pilotprojekt gestartet, das auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgreift. Das Programm in der Provinz KwaZulu Natal, die landesweit die höchste Infektionsrate aufweist, soll durch HIV-Tests, eine frühere Behandlung von Infizierten und konventionelle Präventionsmaßnahmen Neuinfektionen reduzieren.