Tschad

Ärzte ohne Grenzen besorgt über das Schicksal von 5.000 Vertriebenen und 37 Mitarbeitern - sie gelten nach Gewaltausbruch im Osten des Tschad als vermisst

Berlin/Paris, 17. November 2006. Die Stadt Koloy im Osten des Tschad nahe der sudanesischen Grenze wurde nach Meldungen der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am 15. November angegriffen, geplündert und von den Einwohnern verlassen. 5.000 tschadische Vertriebene, die sich in Koloy aufhielten, sind aus dem Gebiet geflohen und gelten als vermisst. Ärzte ohne Grenzen hat darüber hinaus keine Informationen über den Verbleib von 37 tschadischen Mitarbeitern. Damit weitet sich die seit Wochen anhaltende Gewalt gegen die Bevölkerung in der Region weiter aus.

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen, das sich gestern Morgen nach Koloy begeben hatte, fand dort lediglich zwei Personen vor. Sie berichteten, dass die Angreifer die Menschen bedroht und ihnen befohlen hätten, nicht in die Stadt zurückzukehren.

Angesichts der eskalierenden Gewalt ist es wichtig, dass Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen die betroffenen Menschen schnell erreichen können.

Die Organisation weiß weder etwas über den Verbleib der Vertriebenen noch ihrer tschadischen Mitarbeiter, die ein Trinkwasserprogramm in der Gegend betrieben. Besondere Sorge bereitet Ärzte ohne Grenzen die schlechte Sicherheitslage, denn die Zahl der Angriffe und Plünderungen in den Dörfern wächst. Im April 2006 waren die Vertriebenen in Koloy vor Überfällen durch Bewaffnete auf ihre Dörfer entlang der Grenze zum Sudan geflüchtet. Ärzte ohne Grenzen hatte ärztliche Versorgung, Trinkwasser und Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt.

"Die Gegend um Koloy ist vollkommen menschenleer", erklärt Filipe Ribeiro, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Die Dörfer, die 20 bis 30 Kilometer vor Koloy liegen, wurden teilweise niedergebrannt und verlassen. Zehn Kilometer vor Koloy gibt es sichtbare Zeichen dafür, dass Menschen geflohen sind. In Koloy wurden die Wohnhäuser am Eingang der Stadt niedergebrannt. Der Gesundheitsposten von Ärzte ohne Grenzen wurde geplündert. Wir fanden hier blutige Verbände - ein klarer Hinweis, dass es während der Auseinandersetzungen Verletzte gab. Unter anderem wurde auch die Apotheke zerstört - alle Medikamente und Vorräte sind verschwunden."

Im Osten des Tschad versorgt Ärzte ohne Grenzen seit Dezember 2005 Vertriebene aus dem Tschad und seit 2003 Flüchtlinge aus der sudanesischen Region Darfur. Außer den 5.000 Menschen in Koloy befinden sich noch rund 25.000 tschadische Vertriebene in Dogdoré, wo sie von Ärzte ohne Grenzen weiterhin ärztlich sowie mit Trinkwasser und Lebensmitteln versorgt werden. Für die Flüchtlinge in der Region Borota wurden mobile Kliniken eingerichtet. Ferner unterstützen die Teams Krankenhäuser in Adré und Iriba sowie Darfur-Flüchtlinge in den Lagern Farchana, Breidjing, Iridimi und Touloum. Außerdem ist Ärzte ohne Grenzen in Goré im Süden des Tschad tätig, wo die Organisation Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik medizinisch versorgt.

Weitere Informationen: Pressestelle, Stephan Große Rüschkamp, Tel.: 030-22 33 77 00