Afghanistan

Ärzte ohne Grenzen behandelt Verletzte nach Protesten in Kundus

Kabul/Berlin, 26. Februar 2012. Nach gewaltsamen Protesten im Zusammenhang mit Berichten über die Koran-Verbrennungen auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram behandelt Ärzte ohne Grenzen 50 Verletzte im chirurgischen Krankenhaus in der Provinz Kundus im Norden Afghanistans.

Seit erstmals über die Koran-Verbrennungen berichtet wurde, kam es in der vergangenen Woche im ganzen Land zu heftigen Protesten. In Kundus kam es am Samstag zu gewalttätigen Ausschreitungen, als die Demonstranten versuchten, das Gelände der Vereinten Nationen zu stürmen. „Es ging alles sehr schnell. Als die Gewaltausbrüche begannen, kamen innerhalb einer Stunde fast 30 Verletzte. Die meisten von ihnen waren in einem kritischen Zustand und mussten sofort behandelt werden“, sagt Silvia Dallatomasina, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Kundus.

Von den 50 behandelten Patienten mussten 39 im chirurgischen Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen aufgenommen werden. Die meisten von ihnen hatten Schusswunden. Drei Patienten erlagen ihren Verletzungen, die anderen wurden behandelt und stabilisiert oder in das regionale Krankenhaus überwiesen. Die chirurgischen Teams von Ärzte ohne Grenzen führten im Laufe des Tages und der Nacht 14 Operationen durch, darunter gefäßchirurgische Eingriffe und die Versorgung von Brüchen.

Seit August 2011 betreibt Ärzte ohne Grenzen ein chirurgisches Krankenhaus in Kundus. Der Schwerpunkt liegt auf chirurgischer Nothilfe und Nachbehandlung für Opfer des Konflikts sowie auf der Behandlung von Menschen mit lebensbedrohlichen Verletzungen. Hunderte Menschen sind seit der Eröffnung behandelt worden. Das Krankenhaus ist das einzige auf Chirurgie spezialisierte Krankenhaus im Norden Afghanistans.

In allen Einrichtungen, in denen Teams von Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan arbeiten, gilt ein striktes Waffenverbot, um die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet auch im Ahmed Shah Baba-Krankenhaus in Kabul und im Boost Krankenhaus in Laschkar Gah, der Hauptstadt der Provinz Helmand. In beiden Einrichtungen unterstützen die Teams alle Abteilungen. In allen Einsatzorten in Afghanistan ist die medizinische Hilfe kostenlos. Die medizinische Versorgung durch Ärzte ohne Grenzen ist kostenlos. In der Provinz Chost ist für 2012 die Eröffnung einer Klinik für Geburtshilfe geplant.

Ärzte ohne Grenzen verwendet für den Einsatz in Afghanistan ausschließlich private Spenden und nimmt keinerlei staatliche Gelder an.