Zentralafrikanische Republik, Südsudan, Syrien

Ärzte ohne Grenzen: Angriffe auf Helfer gefährden Leben Hunderttausender - Private Spenden und Zuwendungen 2013 um fast ein Drittel gestiegen

Berlin, 17. Juni 2014. Mangelnder Respekt gegenüber humanitärer Hilfe gefährdet aktuell das Leben Hunderttausender Menschen. "Wir beobachten in letzter Zeit eine Häufung schwerer Übergriffe", sagte Frank Dörner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichts 2013 in Berlin. "In bewaffneten Konflikten wie in der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan oder in Syrien geraten Patienten, Krankenhäuser und Helfer immer wieder unter Beschuss oder werden sogar gezielt angegriffen." Leidtragende sind letztendlich die Bedürftigen in den Konfliktregionen, die wegen der Unsicherheit nicht mehr erreicht werden können. Alle Konfliktparteien, aber auch westliche Staaten einschließlich Deutschland müssten die humanitären Grundsätze und die medizinische Hilfe respektieren und gewährleisten, forderte Dörner. Nur so könne Hunderttausenden Menschen geholfen werden.

Allein in der Zentralafrikanischen Republik haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in diesem Jahr Dutzende ernsthafte Sicherheitsvorfälle gezählt, seit Dezember 2012 allein mehr als 30 bewaffnete Überfälle. Am 26. April 2014 wurden auf dem Krankenhausgelände in der Stadt Boguila willkürlich 18 Zivilisten getötet, darunter 3 lokale Mitarbeiter der Organisation. In Syrien wurden Anfang des Jahres fünf Projektmitarbeiter entführt und monatelang festgehalten. Im Südsudan wurden bei schweren Kämpfen mehrfach Krankenhäuser angegriffen und Patienten gezielt getötet. "Alle diese Vorfälle sind absolut inakzeptabel und dramatische Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht", sagte Dörner. Für die Bevölkerung haben die Angriffe dramatische Folgen. Projekte müssen aus Sicherheitsgründen ausgesetzt oder sogar geschlossen werden.

"Alle Konfliktparteien müssen Verletzte und Kranke schützen", forderte Dörner. Gleichzeitig verlangte er von der deutschen Regierung und anderen westlichen Staaten, die Unabhängigkeit der humanitären Hilfe vollständig zu gewährleisten. "Auch deutsche Politiker haben humanitäre Hilfe immer wieder mit politischen und militärischen Zielen vermischt. Dabei hat sich die Bundesregierung in mehreren internationalen Übereinkommen und auch im Koalitionsvertrag explizit zur Einhaltung der humanitären Prinzipien bekannt", so Dörner.

Die deutsche Sektion von Ärzte ohne Grenzen hat im vergangenen Jahr 89,3 Millionen Euro eingenommen, 18,3 Millionen Euro mehr als 2012. 82,1 Millionen Euro (92%) stammten aus privaten Spenden und Zuwendungen - fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Rund 10 Millionen Euro erhielt die Organisation in direktem Zusammenhang mit dem Taifun Haiyan. "Für diese überwältigende Unterstützung und das große Vertrauen in unsere Arbeit bedanke ich mich herzlich", sagte Tankred Stöbe, Vorstandsvorsitzender von Ärzte ohne Grenzen Deutschland. Gleichzeitig betonte er, dass Ärzte ohne Grenzen qualifizierte Projektmitarbeiter suche. "Wir brauchen gut ausgebildete, in internationaler Arbeit erfahrene Mitarbeiter, die bereit sind, auch in schwierigen Kontexten wie dem Südsudan oder der Zentralafrikanischen Republik zu helfen. Diese zu finden ist nicht leicht - und derzeit haben wir nicht genug", so Stöbe.